Samstag, 25. Juli 2009

Mutter Anna und ihre Erscheinungen in Sainte-Anne d'Auray

Aus: "DAS ZEICHEN MARIENS" Oktober 1972:

Am vergangenen 26. Juli wurde überall das Fest der hl. Anna und des hl. Joachim gefeiert, der vorbildlichen Eltern der Heiligsten Jungfrau Maria. Im Zusammenhang damit möchte ich in
wenigen Zügen die wunderbare Geschichte der Erscheinungen der hl. Mutter Anna in der Bretagne in der Landebene von Auray vor beinahe 350 Jahren nachzeichnen.

Der Seher: Yves Nicolazic, 40jährig, Pächter. Seit 12 Jahren verheiratet, ohne Kinder, bewohnt den winzigen Weiler Ker-Anna. Er ist für seine Frömmigkeit, seine Redlichkeit und seinen Arbeitsfleiß bekannt. Er lebt übrigens wie ein Ordensmann. Jeden Abend, nach getaner Arbeit, begibt er sich zum Bocenno, um dort zu meditieren oder meistens, um seinen Rosenkranz zu beten. Le Bocenno ist ein Feld seines Pachtlandes, wo, wie man sagt, vor langer Zeit eine Kapelle zu Ehren der hl. Anna errichtet worden war. Es existieren tatsächlich noch einige sehr alte Steine an dem vermuteten Ort, sowie ein Ablass-Kreuz (une croix de pardon) 1200 Meter von da entfernt. Jedenfalls hält sich seit mehreren Generationen das Gerücht, daß man eines Tages an ebendiesem Ort eine neue Kapelle bauen werde.
Nun, in einer Sommernacht, wir befinden uns im Jahre 1623, fährt Yves Nicolazic mit einem Satz aus dem Schlafe auf, indem er an die hl. Anna denkt. Plötzlich erhellt sich sein Zimmer. Dieses Licht scheint von einer angezündeten Kerze zu stammen, die gehalten wird von einer gut sichtbaren Hand. Aber das Übrige des Körpers ist nicht sichtbar. Nicolazic fühlt sich ganz und gar nicht sicher; er glaubt, sich in Gegenwart einer Seele des Fegfeuers zu befinden und betet zu ihren Gunsten 2 Pater und 2 Ave. Alles verschwindet. Sechs Wochen später dasselbe Phänomen, diesmal jedoch auf dem Feld Le Bocenno, wo Nicolazic hinging, um bei Einbruch der Nacht zu beten. Ein kleiner Unterschied: die Hand ist nicht sichtbar wie das letzte Mal, und einzig eine brennende Kerze, deren gerade Flamme vom Winde nicht bewegt wird, erscheint bei ihm, schwebend im Raum.
Von diesem Abend an und während langer Monate noch wird Nicolazic erst nach Einbruch der Nacht nach Hause gehen, angeführt von einer geheimnisvollen Hand, die eine brennende Kerze trägt, deren Flamme eine große Helligkeit abgibt. Dieses außergewöhnliche Licht wird zweimal von Herrn Le Roux, seinem Schwager, wahrgenommen, der nicht verfehlen wird, sein Erstaunen auszudrücken. Aber Nicolazic weiß darüber nicht mehr als er. Übrigens gibt es da eine Sache, die sich unser Seher auf keinerlei Weise erklären kann: es ist die unaussprechliche Freude, die sein Herz während des Phänomens erfüllt. Tatsächlich bleibt er überzeugt, dass er es mit einer Armen Seele zu tun hat. (Er dachte an jene seiner eigenen Mutter, die vor drei Jahren gestorben war.)
Nun, eines Tages, während Herr Le Roux und er selber zusammen bei ihrer Herde am Brunnen von Le Bocenno waren, sehen sie über dem Felde eine Frau erscheinen, angetan mit einem weißen Kleid leuchtender als der Schnee, mit ernstem und zärtlichem Ausdruck zugleich. Sie schwebt im Raume, unbeweglich, dem Brunnen zugewandt. Ihre Füße ruhen auf einer Wolke und ihr mildes und heiteres Gesicht ist von einem Leuchten umgeben, das das ganze Feld bis zum Horizont erhellt. Diese Erscheinung hatte die überstürzte Flucht unserer beiden Seher zur Folge, die, als sie sich wieder gefasst hatten und zur verlassenen Stelle zurückgekehrt waren, nichts mehr sahen. Einige Tage später, am 25. Juli 1624 genau, (am Vorabend des Festes der hl. Anna) als Nicolazic nach hereingebrochener Nacht wie gewohnt nach Hause zurückkehrte, geht er an dem Kalvarien-Mal (ein aus Stein gebildetes hohes Wegkreuz auf einem Sockel, mit am Kreuzesstamm befestigten abstehenden Figuren der Mut-
tergottes und des hl. Johannes) vorüber, entblößt sein Haupt und schlägt ein Kreuzzeichen. Plötzlich ist die Frau da, ganz nah bei ihm.
„Nicolazic!" Mit einer Handbewegung beruhigt sie ihn und lädt ihn ein, ihr zu folgen. Ihre Füße sind eingetaucht in eine Wolke, die sich gen Ker-Anna zu bewegt, und Nicolazic folgt. Die Frau hält in ihrer Hand immer noch eine Fackel (große Kerze), die das ganze Feld erhellt. Wird sie endlich ihre Identität verraten? Nein; angekommen beim Pachtgut des Sehers, verschwindet sie. Nun ist es des Guten zuviel für unseren armen Nicolazic. Er lässt seine Frau alleine essen; er, er hat Hunger und Durst nach einer anderen Nahrung. Er sondert sich ab in die Kornscheune und fleht zum Himmel. Was will man von ihm? Als ganze Antwort: ein unglaublicher Lärm von Schritten, von Tausenden von Schritten, wie jene einer Menschenmenge im Marsch. Er öffnet die Türe, nichts. Darauf sinkt Nicolazic zusammen. Eine schreckliche Angst überfällt ihn; ist er normal, ist er nicht im Begriffe, verrückt zu werden? Es bleibt ihm nichts mehr, als sich an seinen Rosenkranz zu klammern; er ist seine einzige rettende Planke, und das Vertrauen kehrt zurück, zur gleichen Zeit, da er eine große Liebe zur Erscheinung verspürt. Plötzlich ist sie da, bei ihm, in der Scheune, und die Korngarben widerstrahlen im Lichte. Dann — langsam und zum ersten Mal, spricht sie so:
„Nicolazic, fürchte dich nicht. Ich bin Anna, die Mutter Mariens. Sag deinem Rektor, dass auf dem Landstück namens Le Bocenno einst vor jedem Dorf eine Kapelle stand, die meinem Namen geweiht war, die erste, die die Einwohner der Bretagne zu meiner Ehre erbaut hatten. Es sind nunmehr 924 Jahre und 6 Monate, dass sie zerfallen ist. Ich wünsche, dass sie so bald wie möglich wieder aufgebaut werde und dass du dafür sorgst. Gott will, daß ich da verehrt werde".
Und unser guter Nicolazic, nunmehr beruhigt, getröstet, glückerfüllt, das Herz voller Liebe, die Seele trunken von Wonne, schläft ein wie ein Kind.
Was geschieht alsdann? Sie können es sich vorstellen, wenn Sie die prächtige Basilika je gesehen haben, die jetzt die Landebene von Auray beherrscht. Ein enormer Liebeselan der ganzen bretagnischen Bevölkerung hat diese majestätische Wohnung aus dem Erdboden heraussteigen lassen, die würdig ist der Mutter Mariens. Ihrerseits ließ die hl. Anna nicht auf sich warten, den Zweck ihres Besuches an diesen Örtlichkeiten zu offenbaren. Sie brachte den Seelen die Vergebung Unseres Herrn. War sie nicht die Mutter der Mutter der Barmherzigkeit? Ihr war daran gelegen, es sogleich zu beweisen. Da die Pilger zu ihr beteten, um die Bekehrung des Rektors von Pluneret zu erlangen, der sie verfolgte, erachtete die hl. Anna den Augenblick für günstig, ihre Macht und ihre Güte zu zeigen. Hier, was nun geschah: Eines Morgens erfuhr der Rektor von Pluneret, ein rauher Mann aber aufrichtig, leider schlecht informiert über was genau geschehen war, dass sich eine Wallfahrt zum Bocenno organisiere und dass die gläubigen Verehrer der hl. Anna vor einer Statue der Heiligen beten und Opfergaben zu ihren Füßen niederlegen. Da er dies nicht weiter dulden konnte, entsendete er sogleich seinen Vikar, um diesen schändlichen Betrug zu stoppen. Dieser letztere kommt wütend am Orte der Erscheinungen an, nimmt die Statue der hl. Anna und wirft sie in den Graben und versetzt schließlich dem Schemel, auf dem ein Teller stand, der dazu diente, die Gaben aufzunehmen, einen Fußtritt. Zwei Wochen später erlitt der arme Rektor einen mysteriösen nächtlichen Angriff, der ihm zwei gelähmte Arme kostete. Sie hingen ihm elendiglich auf beiden Seiten herunter. Er versuchte sämtliche Medikamente; nichts nützte. Einer seiner Priesterfreunde sprach im Spaß von den Heilungen, die sich beim Brunnen Le Bocenno ereignen würden. Der Rektor zuckte mit den Achseln, wurde heftig und wütete sehr. Aber einige Tage später, in einer sehr dunklen Nacht, ging er hin, indem er wohl darauf achtete, dass es niemand erfahre. Hätte er sich schließlich doch getäuscht? Das kann jedermann passieren.
Beim Brunnen gelang es ihm nicht, allein seine Arme ins Wasser zu tauchen. Er hätte einer Hilfe bedurft; aber davon konnte nicht die Rede sein, jemand zu rufen. So bescheidete er sich damit, zu beten. Ebenso tat er am folgenden Tag und dies während 8 Tagen, denn er war starrköpfig. Sein Gebet rührte die hl. Anna, die ihm die Kraft gab, auf seine Eigenliebe zu treten. Am achten Tag kam er zurück zum Bocenno mit einem Bekannten, der ihm half, sich zu entkleiden und seine gelähmten Arme in das Wasser des Brunnens zu tauchen. In diesem selben Augenblick fanden sie ihre vollen Kräfte wieder.
Unser Rektor, höchst erstaunt ob seiner plötzlichen und vollständigen Heilung, aufs höchste bewegt, fühlte sein Herz zerfließen vor Liebe und Dankbarkeit zu Jener, die ihm so völlig verzieh. Er leistete öffentliche Abbitte, zu Füßen der Statue, vor allen Pilgern. Sehr mitgenommen bat er um die Gunst, die erste Messe lesen zu dürfen, die an diesem Orte gefeiert würde, und um der Kapelle zu einer schnellen Erbauung zu verhelfen, die er großartig wünschte, verzichtete er auf alle seine Rechte auf die Spenden, von welchen ein Drittel ihm von Amts wegen gehörte.
Wir sehen, dass Gott sich stets rühren lässt von einem Akt der Demut, vor allem, wenn das verlorene Kind eines seiner bevorzugten Söhne ist.
0livier
(Le Sourire de Marie, 2, 1972)
Aus dem Französischen übersetzt von Paul O. Schenker

Siehe auch:

Sonntag, 28. Juni 2009

Maria Himmelfahrt - Visionen der Therese Neumann, Konnersreuth

Aufgezeichnet von Dr. Johannes Steiner

Vorbemerkung: Die nachstehenden Aufzeichnungen gehen auf Beobachtungen und Befragungen der Therese Neumann in ihrem Zimmer im Elternhause, zu Konnersreuth während und nach den Visionen am 15. August 1947 zurück. Die Aufzeichnungen wurden im September 1950 H.H. Pfarrer Joseph Naber und Therese Neumann vorgelesen und von beiden in manchen Punkten ergänzt und berichtigt, wofür ihnen herzlich gedankt sei. Die Darstellung gründet sich, namentlich im Vorbericht, auch auf andere Visionen zu anderen Festen des Kirchenjahres und zieht auch die Aufzeichnungen von Dr. Fritz Gerlich vom 15. August 1928 (Gerlich, Therese Neumann, Seite 262/3) heran. Im Gehorsam gegen die Dekrete des Papstes Urban VIII. wird für diese nachfolgenden Ausführungen keine andere als rein menschliche Glaubwürdigkeit beansprucht.

AssumptionMaria hatte nach der Himmelfahrt Jesu Christi ein paar Jahre beim hl. Johannes in Jerusalem verbracht, der dort und in der Umgebung wirkte. Dann zogen sie miteinander nach Ephesus. Nach einigen Jahren, in denen sich dort die Urkirche ausbreitete, erhielten sie ein schönes Haus, einige hundert Meter südwestlich der Stadt, geschenkt, das sie fortan während einer Reihe von Jahren bewohnten.*
* Diese Darstellung widerspricht wohl der vom hl. Epiphanias (gestorben 403) ausgesprochenen und seit dieser Zeit in der kirchlichen Tradition feststellbaren Meinung, Maria hätte Palästina nach dem Tode Jesu nie verlassen. Aber warum sollte sie sich, die doch durch ihren sterbenden Sohn dem hl. Johannes als Mutter gegeben worden war und von diesem mit größter Verehrung und innigem Dank als solche angenommen wurde, wieder von ihm getrennt haben? Und warum man den Aufenthalt des hl. Johannes in Ephesus erst auf die Zeit nach dem Tode Mariens verlegen sollte, ist nach bisheriger Quellenforschung wohl kaum zu beweisen. Jedenfalls ist es unsere Chronistenpflicht, die Visionen der Therese Neumann, so wie sie sich durch Beobachtung und Befragung darstellen, genau aufzuzeichnen und sie dem späteren Urteile der Kirche zu überlassen.
Maria empfängt nun eine Offenbarung, dass sie nicht mehr lange leben werde und spricht deshalb den Wunsch nach einer Reise nach Jerusalem aus, um dort nochmals die Wirkens- und Leidensstätten ihres Sohnes zu sehen und zu verehren. Der heilige Johannes geht mit Freuden auf diesen Wunsch ein und begleitet sie auf die Reise. In Jerusalem treffen sie überraschend auch die anderen Apostel an. Sie waren alle dort zusammengekommen. Vielleicht hatten sie sich, doch das ist nur Vermutung, nicht Vision, soweit sie in und um Jerusalem wirkten, durch Botschaften zu dem Apostel-Konzil, das etwa im Jahre 49 oder 50 stattfand, zusammenbestellt, vielleicht auch waren die in weiter entfernten Gegenden Wirkenden gleichfalls wie Maria und Johannes auf Antrieb des Heiligen Geistes nach Jerusalem gereist. Pfarrer Naber meint, der Heiland hätte wohl in seiner Güte die Gelegenheit dieser Zusammenkunft dazu benutzt, den Aposteln die Möglichkeit zu geben, die Mutter nochmals zu sehen und ihren Tod und ihre Auszeichnung vor allen anderen Menschen mitzuerleben.

Erste Vision: Therese sieht Maria und die Apostel in einem Saale versammelt, den sie von früheren Visionen her kennt: Es ist der Nebenraum des Abendmahlsaales, in dem seinerzeit die heiligen Frauen während des Abendmahles beisammen waren und sich im Gebet auf das Passah-Fest vorbereiteten. Die Apostel sind viel älter geworden, aber Therese erkennt sie alle. Sie vermisst Jakobus (der durch Herodes etwa im Jahre 44 bereits enthauptet worden war; d. Verf.) und Thomas. Dagegen befindet sich bei ihnen auch der temperamentvolle hl. Paulus, den Therese auch von anderen Visionen her kennt, und ein weiterer Mann, den die Apostel als ihresgleichen behandeln, den sie aber nicht kennt und in keiner anderen Vision gesehen hat. Nach Meinung von Pfarrer Naber dürfte dies der hl. Barnabas gewesen sein (vgl. Apg. 9, 27; 11, 22-30; 13, 1-2; 15). Die Apostel sitzen, oder besser gesagt liegen, so wie es damals üblich war, unmittelbar um Maria herum. Sie ruhen auf gepolsterten Möbelstücken, die nach einer Seite schräg aufwärts eine Lehne haben, aber keine Rücklehne. Auch noch andere von den früheren Jüngern und andere unbekannte Männer und Frauen bemerkt Therese, "aber die saßen mehr außen herum". Von den Frauen war ihr keine bekannt. In der Apostelreihe saßen keine Frauen.
Sie reden nun von Jesus und während Maria von Sehnsucht und größter Liebe zu ihm bewegt wird, wird sie plötzlich ganz schwach und blass und sinkt zurück. Der hl. Johannes fängt sie auf und sie stirbt, den Kopf an die Brust dieses ihres "zweiten Sohnes" gelehnt, in seinen Armen. Im selben Augenblick sieht Therese ihre Seele als lebendigen, aber unkörperlichen Lichtstrahl dem Körper entsteigen. Es erscheint, mit lächelndem Blick, in hellstem Lichte, der Heiland, der die Seele in Empfang nimmt, worauf die Lichtgestalten ihrem Blicke wieder entschwinden. Die Apostel stehen traurig um den entseelten Leichnam. Johannes schießt ihr die Augen und den Mund und küsst sie auf die Stirne, die rechte Wange und den Mund, was dann auch die übrigen Apostel und die Frauen tun. Therese nimmt an der Trauer lebhaften Anteil und es kommen ihr während der Vision die Tränen über die Wangen. Während sie nachher im Zustand der Eingenommenheit das erzählt, gerät sie wieder in den Zustand der Schauung, es folgt die zweite Vision, die Beisetzung des Leichnams.

Zweite Vision: Der Leichnam wurde von Frauen zur Beisetzung hergerichtet, gesalbt und mit Binden umwickelt, wobei scharf riechende Kräuter mit eingebunden wurden. Petrus und Jakobus (d. J.) gehen hinaus in das Tal des Baches Cedron und sehen sich nach dem Grabe um, in das Mariens Leichnam gebracht werden soll. Es ist in den aus dem Tal ansteigenden Felsen geschlagen, und zwar so, dass sein Eingang nicht senkrecht (wie beim Grabe Christi), nicht waagrecht (wie beim Grab des Lazarus), sondern schräg liegend zugehauen ist. Man steigt dann erst ein paar Stufen hinab (bei Lazarus viel mehr, bei Christus keine), dann geht die Grabkammer in einen waagrechten Stollen über. Das Grab hat keinen Vorraum, wie das des Heilands, sondern nur eine über dem Eingang liegende, schiefe Türe. Noch am selben Tage, einem Samstag, wird der Leichnam dort beigesetzt und das Grab versiegelt. Die Angabe "Samstag" stammt nicht aus dem Erfahrungs- und Schauungsbereiche der Therese, sondern wurde auf Befragen im erhobenen Ruhezustande (der nach jeder hl. Kommunion, aber auch sonst bei bestimmten Anlässen auftritt) gemacht.*
* Es ist hier leider nicht Raum und Anlass, auf die verschiedenen Zustandsformen der Therese Neumann einzughen. Wer sich dafür oder für die Lebensgeschichte der Therese Neumann, für ihre sonstigen Visionen und überhaupt für die Geschehnisse in Konnersreuth interessiert, möge sich beim Verlag Schnell & Steiner, München, auf das Buch "Therese Neumann" von Dr. Fritz Gerlich vormerken lassen...
Auch die bei den weiteren Visionen gemachten Wochentagsangaben gehen auf diese Quelle zurück. Der Tod Mariens war am selben Tage, aber ziemlich früh am Morgen erfolgt. Die morgendliche Zeit erkennt Therese während der Schauung aus dem Sonnenstand und dem Strahleneinfall, da sie diesen Saal ja auch zu anderen Tageszeiten (Abendmahl) gesehen hatte.

Die folgende dritte Vision ist die schönste und ergreifendste, die Hauptvision des Mariä-Himmelfahrts-Festes. Therese sieht sich vor das Grab Mariens versetzt. Es ist früher Morgen (Sonntag); niemand weit und breit zu sehen. Plötzlich kommt Licht von oben: zwei Engel schweben mit der Seele Mariens herab. Therese erkennt den einen: es ist der Verkündigungsengel Gabriel, den anderen kennt sie nicht (nach Angabe im erhobenen Ruhezustande ist es der Schutzengel Mariens gewesen). Die drei Lichtgestalten schweben, ohne durch die verschlossene Tür irgendwie behindert zu sein, in das Grab hinein. Sie kommen sofort wieder, aber Maria ist nicht mehr ein durchsichtiger Lichtstrahl, sondern kommt mit ihrem nun wieder lebendigen, verklärten Leibe heraus, strahlend und mit einem Gewande aus Licht umkleidet. Es ist nicht zu beschreiben; am nächsten kommt man, wenn man sagt, es glänzt wie frischer Schnee in der Sonne. Doch sagt das noch viel zu wenig. Der Kopf und die Hände sind frei, auch die Füße sind ein klein wenig zu sehen. Die Herrlichkeit und die Freude der Erscheinung teilt sich auch der Seherin mit und auch die Anwesenden können in etwa daran teilnehmen, da sie ein wie sonst nie zu beobachtendes, strahlendes, menschliches Antlitz sehen dürfen. Die Engel führen Maria, sie unter dem Arme stützend, die andere Hand am Rücken, und tragen sie in die Höhe. Dieses Tragen ist jedoch sicher mehr als Ehre denn als Notwendigkeit anzusehen, denn irgend eine Schwere befindet sich offensichtlich nicht mehr am Leibe Mariens (der ja auch durch die geschlossene Türe des Grabes herauskam). Der Blick Theresens folgt den Gestalten, plötzlich steigert sich der Freudenausdruck in ihrem Angesicht bis zur höchsten Möglichkeit. Es erscheint von oben her Christus in unerhörtem Glanze mit dem himmlischen Hofe: ungezählten Engeln und Heiligen. Der Heiland schwebt Maria entgegen, neben ihm, unkörperlich, aber zu erkennen, der hl. Joseph. Beim Zusammentreffen übernimmt er dann mit dem hl. Joseph an Stelle der Engel selbst die weitere Begleitung, um sie, bei deren Fiat sich Himmel und Erde vermählten, nun unter dem Jubel der seligen Scharen als Königin des Himmels und der Erde aufzunehmen und zur Krönung zu führen.

In einer bei den sonstigen Visionen bei weitem nicht in diesem Ausmaß zu beobachtenden Bewegung nimmt Therese Anteil an diesem herrlichsten und freudigsten Geschehen im Leben Jesu und Mariens. Sie ruft "mit, mit" und streckt den emporschwebenden Gestalten die Hände nach, sich auf die äußersten Spitzen der Zehen erhebend, sodass man unwillkürlich schaut, ob sie denn noch auf dem Boden stünde. In der Tat wird durch eine Reihe von absolut glaubwürdigen Zeugen, darunter mehrere geistliche Herren, ausgesagt, dass sie, als sie sich bei dieser Vision im Jahre 1938 im Steyler Kloster in Tirschenreuth befand, ein Stück mit emporgenommen worden sei und einige Zeit in der Luft geschwebt habe. Am 24.9.1950 traf ich in Konnersreuth einen Augenzeugen dieses Vorfalles, einen Herrn aus Hildesheim, der sich für die Wahrheit verbürgte. Therese sei etwa 15-20 cm vom Fußboden erhöht gewesen und habe in diesem freischwebenden Zustand eine Zeit lang verharrt. Ich selbst habe im Jahre 1947 einen Abstand vom Boden nicht beobachten können.
Ein anderes Begebnis muss im Zusammenhang mit dieser Vision erzählt werden: Am 7. Juli 1940 hatte Therese nach der Rückkehr von der Primizfeier des Konvertiten-Priesters Paul Lütten - früher evangelisch, Tanzlehrer in Hamburg - nach Eichstätt einen Schlaganfall erlitten (linkshirniger Schlaganfall in 3 Schüben am 7., 10, und 13.7. - Blutung in die innere Kapsel -, der die ganze rechte Körperseite lähmte. Lt. Testat des betreuenden Münchner Arztes Dr. M.J. Das rechte Bein war gelähmt, der Arm hing herab, das rechte Auge konnte nicht mit dem linken mitgehen, sondern stand immer geradeaus, was Schielen und starke Erschwerung des Sehens mit sich brachte, der rechte Mundwinkel hing unbeweglich herab, die Zunge war behindert, sodass sie nur schwer verständlich lallen konnte. Neun Tage hatte sie mehr oder weniger bewusstlos dahingedämmert. Bei der Vision am Mariä Himmelfahrtstage 1940 geschah nun nach Theresens eigenen Worten folgendes:
"Als die Mutter mit den Engeln dem Grabe entschwebt war, lächelte sie mich an, schwebte auf mich zu und hielt ihre rechte Hand links über meinen Kopf. Da ging's, obwohl ich sonst während der Vision von außen her nichts spüre, von da aus wie ein ganz starker elektrischer Schlag nach rechts in den Körper. Ich erhob meine Hand, um die Hand der Mutter zu ergreifen." Pfarrer Naber erzählt dazu: "Für uns alle war es rührend zu sehen, wie sie während der Vision plötzlich zusammenzuckte und sofort freudig mit dem bisher gelähmten rechten Arm gegen die linke Kopfseite griff. Auch der Mundwinkel stellte sich sofort wieder gerade und sie konnte hernach völlig normal sprechen. Das Auge bewegte sich während der weiteren Vision mit, sie konnte aufstehen und gehen. Wir hatten alle eine überhaus große Freude." Nach den Visionen ist Therese sofort ohne Führung in die Kirche gegangen.
Dieser Vorfall wurde mir auch - in persönlicher Rücksprache - durch den Arzt bestätigt, der den Schlaganfall unmittelbar nach dem Eintritte elf Tage lang sorgfältig, aber in Bezug auf die Lähmungen vergeblich, behandelt hatte und der auch bei dieser plötzlichen Heilung zugegen war. Es waren auch noch weitere Zeugen anwesend, auch Geistliche, darunter der jetzige Regensburger Domprediger, der dem Verfasser selbst schon diesen Vorfall erzählt hatte.
Ich habe es für meine Pflicht gehalten, auch diese die großen Visionen von Mariä Himmelfahrt begleitenden äußeren Geschehnisse, durch die ja das Geschaute nur erhärtet werden kann, dem Leser nicht vorzuenthalten.

Die Visionen sind mit der dritten Schauung noch nicht abgeschlossen. Mitten in den Freudenkundgebungen über das eben Erlebte richtete sich Therese plötzlich wieder empor. Ihre Hände fahren bis in etwa Schulterhöhe und sie sieht folgende vierte Schauung:

Der beim Tode Mariens noch fehlende Apostel Thomas ist inzwischen auch noch in Jerusalem eingetroffen (Montag). Er ist betrübt, dass er zu spät kam und will die Muttergottes wenigstens im Grabe noch einmal sehen. Es vereinbaren deshalb alle Apostel, nochmals gemeinsam zum Grab zu gehen. Therese sieht das, sieht sie kommen und das unverletzte Siegel prüfen (Dienstag früh). Erstaunt blicken sie sich dann nach Entsiegelung und Öffnung der Türe im Grabe um. Sie finden nichts mehr außer einem: Die Binden, in die Maria gewickelt gewesen war, liegen noch auf ihrem Platze und zwar genau so, wie wenn sie noch einen Leichnam einschlössen. Therese, lächelnd, nimmt den Zeigefinger und tupft zweimal nach unten. Sie hat es, wie sie hernach im Zustande der Eingenommenheit erzählte, einem der Apostel nachgemacht, der mit seinem Zeigefinger die noch gewickelt stehenden Binden an zwei Stellen niedergetupft hat, um den anderen gewissermaßen darzutun, dass nirgends mehr etwas drinnen sei. Die Binden waren wohl durch die Salben verklebt und auch durch die miteingewickelten Kräuter gestützt, sodass sie ohne äußere Einwirkung nicht zusammenfielen; das Entsteigen des Leibes Mariens ist als solche Einwirkung nicht anzusehen, denn der nun nicht mehr irdischen Gesetzen unterworfene Leib wurde durch die Einwickelung ebensowenig behindert wie durch Fels und Türe.
Die Apostel machen einander auch auf einen unirdischen Wohlgeruch aufmerksam, der sich im Grabe befindet. Therese gibt das Empfinden dieses Wohlgeruches während der Vision durch entzücktes, kräftiges Einziehen der Luft mit sich leicht blähenden Nasenflügeln kund. Man merkt auch ihren Handbewegungen, ihrem immer wieder Hinaufweisen und ihren Mienen an, dass sie den Aposteln zeigen möchte, was geschehen ist.
Diese verlassen nach längerer Zeit und eifrigem Reden erfreut das Grab, offenbar überzeugt, dass den Umstände nach (versiegeltes Grab, unversehrte Tuchwickelung, Wohlgeruch) der Leib Mariens in den Himmel aufgenommen worden sein müsse, wenngleich sie dies selbst nicht gesehen haben.

Aus den Gebeten der Kirche
zu den Festtagen Mariä Himmelfahrt, 14. und 15. August

Gebenedeit und hochverehrt bist du, Jungfrau Maria; in unversehrter Jungfräulichkeit bist du des Heilandes Mutter geworden. Jungfrau, Gottesgebärerin! Er, den die ganze Welt nicht fasst, Er schloss bei Seiner Menschwerdung Sich ein in deinen Schoß.
Selig bist du, Jungfrau Maria, die du den Schöpfer des Weltalls getragen. Du gebarst Ihn, der dich schuf und bleibest Jungfrau auf ewig.
Selig der Schoß der Jungfrau Maria, der getragen den Sohn des ewigen Vaters.
Alleluja, alleluja. Aufgenommen ward Maria in den Himmel; drob freuet sich der Engel Heer. Alleluja. Aufgenommen ward Maria in den Himmel, drob freuen sich die Engel, in Lobgesängen preisen sie den Herren, alleluja.

Magnifikat
(Gebet Mariens bei Elisabeth)

"Hochpreiset meine Seele den Herrn. Und mein Geist frohlockt in Gott, meinem Heiland. / Denn Er hat herabgeschaut auf die Niedrigkeit Seiner Magd; siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. / Denn Großes hat an mir getan der Mächtige; heilig ist Sein Name. / Und Sein Erbarmen waltet von Geschlecht zu Geschlecht, über allen, die Ihn fürchten.

Lb. Mutter hilf, daß wir treu Gottes hlgst. Willen erfüllen! - In hl. Gebete vereint! - Theres Neumann

Mit kirchlicher Druckgenehmigung. München, den 29.9.1950. G.V. Nr. 8906, Buchwieser, Generalvikar.

Abbildung Quelle siehe: http://www.brigidmarlin.com/Pages/Mysteries.html

Sonntag, 22. März 2009

Maria, die Mutter von der Immerwährenden Hilfe - Ein Hoffnungsstern auf dem Meere dieses Lebens

Stern im Lebensmeere!

Madre del Perpetuo SoccorsoJedes Menschenkind hienieden gleicht einem Schifflein auf dem sturmbewegten Meere. Wenn es geboren wird, fährt es hinaus auf die hohe See, wo gar viele in den Stürmen des Lebens untersinken und zu Grunde gehen. Nur wenn Maria auf deinem Fahrzeug ist, dich begleitet und beschützt, nur wenn du dein Auge nicht von Maria, dem Meeresstern, abwendest, nur dann wird dein schwaches Schifflein unbeschädigt ans Ziel kommen. Wie schön und wahr sagt der heilige Franz von Sales: "Die seligste Jungfrau ist immer der Polarstern und Sicherheitshafen aller Menschen gewesen, die auf dem Meere dieses armseligen Erdenlebens herumirrten. Alle jene, die zu diesem Sterne hinaufschauen, werden vor den Klippen und Abgründen der Sünde bewahrt bleiben." Aber auch jene, die in die Sünde gefallen sind, finden bei Maria eine liebreiche Mutter, die ihnen hilft, vom Falle aufzustehen, um alles wieder gut zu machen. Denn Maria ist die Ausspenderin der Barmherzigkeit Gottes, die Verwalterin der Gnadenschätze.
Gott hat einen großen Teil der Gnaden an die Verehrung ihrer Bilder geknüpft, das beweisen die Gnadenbilder in der ganzen Welt. Aber auch jedes Marienbild kann für seinen Besucher und Verehrer zu einer Gnadenquelle werden. Einer besonderen Verehrung erfreuen sich die Bilder der Unbefleckten Empfängnis, von der Schmerzhaften Mutte, der Mutter vom Guten Rat, und besonders Unserer Lieben Frau von der Immerwährenden Hilfe.
Wie wohlgefällig gerade diese Verehrung der allerseligsten Jungfrau ist, bezeugen die zahllosen Wunder und Gebetserhörungen, die infolge dieser Andacht stattfanden.
Seit der Auffindung des alten, ehrwürdigen Gnadenbildes ergießt sich ein wahrer Gnadenstrom aus den mütterlichen Händen Mariä über alle Völker und Nationen, die sie als Mutter von der Immerwährenden Hilfe anrufen.

Das Gnadenbild

Das Gnadenbild Unserer Lieben Frau von der Immerwährenden Hilfe befindet sich in der Kirche des heiligen Alfons zu Rom. Nach dem Urteile der Kunstkenner soll es aus dem 13. oder 14. Jahrhundert stammen. Herrlich und wunderlieblich auf Goldgrund gemalt, weist es auf einen frommen und ebenso geschickten Künstler hin. Bei seinem Anblick rief Papst Pius IX. aus: "O wie schön, wie schön ist es!"
Auf der Insel Kreta war es schon längst als wundertätig verehrt worden. Da, um die Mitte des 15. Jahrhunderts, da schon die Einfälle der Türken drohten, wurde es von einem Kaufmann entwendet, der es, wohl in gewinnsüchtiger Absicht, nach Rom brachte. Dort angelangt, erkrankte er aber schwer. Dem Tode nahe, übergab er das Bild seinem Freunde und Gastgeber, mit der dringenden Bitte, es in einer Kirche Roms zur öffentlichen Verehrung aufzustellen. Der Freund versprach es ihm, wurde aber von der eigenen Frau an der Ausführung verhindert.
Dreimal erschien ihm Maria im Traume und forderte ihn mit ernsten Worten auf, sein Versprechen zu erfüllen. Vergebens!
Nun erschien ihm Maria zum letztenmal und sprach: "Ich habe dich dreimal ermahnt und dreimal hast du meinen Befehlen widerstanden; damit ich also aus deinem Hause komme, wird es notwendig sein, dass du zuerst hinausgehst." Und so geschah es auch. Der Mann wurde krank und starb bald darauf. Aber auch diese Strafe vermochte den Starrsinn der eigennützigen Witwe nicht zu brechen. Da kam eines Tages ihr kleines, unschuldiges Töchterchen nach Hause mit der Botschaft: "Mutter, Mutter, ich habe soeben eine schöne Frau gesehen, die zu mir gesagt hat: 'Gehe zu deiner Mutter und melde ihr: Unsere Liebe Frau von der Immerwährenden Hilfe will in einer Kirche Roms öffentlich erehrt werden.'" -
So viele Zeichen konnte die Witwe nicht mehr widerstehen und überlegte, in welche Kirche sie das Bild bringen sollte: Da erschien Maria nochmals ihrem Töchterchen und sagte: "Zwischen meiner lieben Kirche Santa Maria Maggiore und der meines geliebten Sohnes Sankt Johannes im Lateran will ich aufgestellt und verehrt werden." Daselbst befand sich aber die Kirche des heiligen Matthäus, die damals im Besitze der Augustinermönche war. Am 27. März 1499 wurde das Gnadenbild in feierlicher Prozession in diese Kirche übertragen und dort auf dem Hochaltar aufgestellt.
Hier teilte nun Maria ihre Gaben und Gnaden reichlich aus und wirkte dreihundert Jahre lang viele Wunder, bis die Kirche im Jahre 1798 von der damaligen Revolutionsregierung wegen Straßenbau zerstört wurde. Das Bild wurde aber gerettet und fand in der stillen Hauskapelle eines anderen Augustinerklosters ein verschwiegenes Plätzchen. Doch lange Jahre wusste man in Rom nicht mehr, wohin sich die wundertätige Madonna geflüchtet hatte.
Mittlerweile war ganz in der Nähe der zerstörten Matthäuskirche ein neues Heiligtum erstanden: die Sankt Alfons-Kirche der Redemptoristen. Diesen übergab Papst Pius IX. dann das wiedergefundene Gnadenbild. Am 26. April 1866 wurde es in feierlicher Prozession dorthin übertragen. Am Abend des 3. Mai erschien der Heilige Vater unerwartet in der Redemptoristenkirche, um das Gnadenbild zu verehren. Wie viele Tausende von Rompilgern sind seither seinem Beispiel gefolgt!
Alsbald zeigte sich Maria als die liebreiche Mutter und Gnadenspenderin. Es geschahen Wunder auf Wunder. Da beschloss das Vatikanische Kapitel, das Bild mit einer goldenen Krone zu schmücken. Dies geschah am 23. Juni 1867.

Wir wallen zur Mutter der Gnade!

"Machet sie bekannt!" hatte Pius IX. gesagt, als er den Redemptoristen das Bild von der Immerwährenden Hilfe übergab. Das haben sie seither nach Kräften getan. Maria selbst hat sie hierin durch die zahllosen Wunder und Gebetserhörungen unterstützt. In Tausenden von Kirchen finden sich Abbildungen des Gnadenbildes, die sich in vielen Fällen ebenfalls als wundertätige erwiesen haben. Millionen kleiner Andachtsbildchen werden ständig über die ganze Welt verteilt. Tausende von frommen Verehrern suchen und finden täglich Trost und Hilfe bei der Mutter von der Immerwährenden Hilfe.
Die "Erzbruderschaft" U. L. Frau von der Immerwährenden Hilfe hat sich schon längst über alle Weltteile verbreitet und ist von den Päpsten mit vielen Ablässen bereichert worden. Es genügt, seinen Namen eintragen zu lassen. Die "Gebetswache" als Neubelebung derselben ist das organisierte Bittgebet einer ganzen Pfarrei zu Maria von der Immerwährenden Hilfe. Sie hat sich als Segensquelle für Seelsorger und Gläubige erwiesen.

Maria hilft immer!

Von allen Titeln, unter denen die Gläubigen Maria anrufen, ist ohne Zweifel "Mutter von der Immerwährenden Hilfe" der schönste und trostreichste. Maria hat diesen Titel selbst gewählt, damit wir in allen Bedrängnissen zu ihr unsere Zuflucht nehmen. Er zeigt uns die unbegrenzte Macht und Barmherzigkeit, von der ihr zärtliches Herz überströmt, so dass es weder eine Zeit, einen Ort, noch eine Not gibt, in der diese gute Mutter uns nicht zu Hilfe kommt, wenn wir sie mit Vertrauen anrufen. Darum hat auch diese Andacht so schnelle Verbreitung gefunden.
In der Tat, wenn sie ein einziges Mal ihre Hilfe versagte, dann wäre sie nicht mehr immerwährend. Sie muss helfen, wenn wir sie darum bitten, obgleich wir wegen unserer Fehler und Sünden ihre Hilfe nicht verdienen. Je armseliger wir sind, desto schneller ist sie zur Hilfe bereit.
Du wirst vielleicht sagen: Ich habe Maria schon oft angerufen, z. B. bei jenem Leiden, in jener Lage, und sie hat mir doch nicht geholfen. Bedenke wohl, Maria, die immer geneigt ist, dein Gebet zu erhören, verpflichtet sich nicht, dir gerade das zu geben, um was du bittest, sondern vielmehr das, was dir notwendig und heilsam ist.
Gehen wir deshalb immer mit einem unerschütterlichen Vertrauen zu Maria, und auch wir werden ihre Hilfe erfahren.

Maria, die Zuflucht der Sünder

Wie Maria einer Heiligen geoffenbart hat, macht es ihr Freude, Zuflucht der Sünder genannt zu werden. "Wenn sich ein Sünder an mich wendet", sagte sie, "sehe ich weder auf die Zahl, noch auf die Größe seiner Sünden, sondern nur auf das Gebet, das aus seinem Herzen zu mir emporsteigt." Sie hat die Macht, eine dem ewigen Tode anheimgefallene Seele wieder zum Stande der Gnade zu erwecken. Bei allen Bekehrungen reicht Maria dem Sünder die Hand.
In einer Stadt Belgiens verfiel im November 1871 ein Freimaurer in eine schwere Krankheit. Die Ärzte gaben die Hoffnung auf, und ebenso musste man an der Rettung seiner Seele zweifeln; denn so oft der Kranke an eine christliche Vorbereitung zum Tode ermahnt wurde, befahl er, das ihm lästige Gespräch abzubrechen. Als dies einige fromme Frauen erfuhren, beschlossen sie, zu Maria ihre Zuflucht zu nehmen, die immerwährend allen zu Hilfe kommt. Sie ließen ein Bild Mariä von der Immerwährenden Hilfe unter das Kissen des Kranken legen und begannen zugleich eine neuntägige Andacht zu ihr. Da nach Ablauf der neun Tage der Kranke immer noch in seiner Verstocktheit verharrte, fingen sie eine zweite Novene an. Aber auch die zweite vermochte nicht, das Herz des verstockten Sünders zu erweichen; denn es ist schwer, in den Banden einer geheimen Gesellschaft verstrickt, die todbringenden Fesseln zu sprengen. Gegen Ende der dritten Novene verlangte der Kranke selbst einen Priester und beichtete mit großer Reue seine Sünden. Und nachdem er alles geleistet hatte, was die heilige katholische Kirche von den Mitgliedern der Freimaurerei verlangt, verschied er auf christliche Weise aus diesem Leben.
So lohnte in diesem Falle Unsere Liebe Frau von der Immerwährenden Hilfe das beharrliche, vertrauensvolle Gebet.

Aus: Marianus, Maria die Mutter von der Immerwährenden Hilfe - Ein Hoffnungsstern auf dem Meere dieses Lebens. - Kanisius-Verlag, 13. Auflage, Nihil obstat: Julius Desfossez, librorum censor. Imprimatur: Friburgi Helv., die 2 januarii 1950 L. Waeber, vic. gen.

Samstag, 1. März 2008

Das Gnadenbild Unserer Lieben Frau von der Immerwährenden Hilfe

ULF von der Immerwährenden HilfeDas Urbild (der zahllosen Bilder ULF von der immerwährenden Hilfe, wie sie auf der weiten Welt verbreitet sind) thront zu Rom auf dem Hochaltar der kleinen Redemptoristenkirche Sant' Alfonso auf dem Esquilin, im Osten der Ewigen Stadt.
Das Bild der Mutter von der immerwährenden Hilfe hat eine Größe von 41,5 x 53 cm und ist auf Nussbaumholz gemalt. (Das Bild ist eine Temperamalerei, nach einem Verfahren, wobei der Farbstoff mit Eiweiß, Eigelb, Leim und noch anderen Stoffen vermengt wird.) Aus dem goldenen Hintergrunde tritt vor allem die Gestalt der jungfräulichen Gottesmutter hervor, und als "Mutter Gottes" ist sie ausdrücklich in großen Buchstaben durch zwei abgekürzte griechische Worte zu ihren Häupten gekennzeichnet. Auf unzähligen Erzeugnissen der byzantinischen Kunst (die ehedem in Byzanz oder Konstantinopel ihre Heimat hatte), ist die seligste Jungfrau in derselben oder fast derselben Weise dargestellt. Ihr schönes, edles Antlitz ist oval. Sie hat einen kleinen Mund, eine feine, lange Nase, ungemein seelenvolle Augen und sehr schlanke Finger. Sie trägt ein Kleid von roter Farbe, das am Halse und vorn an den Ärmeln mit einfachen Verzierungen versehen ist. Ihre Haare sind durch ein feines Haarnetz von bläulich grüner Farbe zusammengehalten. Vom Haupte herab umwallt ihre jungfräuliche Gestalt ein großer, dunkelblauer Mantel, der in seiner oberen Hälfte doppelt gefaltet ist, so dass sich eine Art Pelerine bildet, und davon hängen auf dem rechten Oberarm goldene Fransen herab. Viele Goldlinien dienen dazu, die Falten des Mantels anzudeuten... In der Mitte des Hauptes leuchtet auf dem Mantel Mariens ein achtstrahliger Stern und seitwärts davon ein kreuzförmiges Gebilde. Ein kunstvoller Heiligenschein in erhabener Arbeit umgibt Mariens Haupt.
Auf ihrem linken Arm trägt die Gottesmutter das Jesuskind. Es ist völlig bekleidet, nicht bloß mit einem grünen Leibrock, sondern auch mit einem gelbbraunen Mantel, den ein hellroter Tuchstreifen umgürtet, der nur einen Teil des Oberkörpers frei läßt. Auch bei den Kleidern des Jesuskindes sind Goldlinien reichlich verwendet. Ein großer Heiligenschein mit eingezeichnetem Kreuze umgibt das Haupt des Kindes, bei dem die ungewöhnlich hohe Stirn und der weisheitsvolle Blick auffallen, und nebenan stehen wiederum die abgekürzten Worte "Jesus Christus". Die eigenartige Haltung des Kindes und die vom linken Fuße fallende Sandale werden weiter unten ihre Erklärung finden.
Endlich erblicken wir auf unserem Bilde zwei Engelsgestalten in Halbfigur, die die Werkzeuge des Leidens Christi tragen. Die griechischen Buchstaben über ihren Häuptern kennzeichnen den Engel links vom Beschauer als den Erzengel Michael, den Führer der himmlischen Heerscharen, der nach vielen Schrifterklärern dem Todesangst leidenden Erlöser im Ölgarten Stärkung brachte. Er trägt in verhüllten Händen - zum Zeichen der Ehrfurcht - das Essiggefäß, das bei der Kreuzigung Christi erwähnt wird (Joh. 19, 29), daraus ragen hervor der Ysopstengel mit dem Schwamm voll Essig, der dem dürstenden Erlöser am Kreuz gereicht wurde, sowie die Lanze, die nach dem Verscheiden Christi seine heilige Seite öffnete. Rechts dagegen erscheint der Erzengel Gabriel und er trägt in verhüllten Händen das Kreuz mit den vier Nägeln. Es ist ein "byzantinisches" Kreuz, scheinbar mit drei Querbalken; über dem eigentlichen Querbalken in der Mitte ist nämlich noch die Kreuzesinschrift angebracht und darunter das "suppedaneum", ein Querholz zur Stütze der Füße. Der jugendliche Jesus faßt die Hand der Mutter mit beiden Händen, ängstlich und vielleicht auch ein wenig verwirrt beim Anblick des Engels mit dem Kreuz. In der ängstlichen Suche nach Zuflucht scheint sich die Sandale gelöst zu haben. Die Aussage des Bildes könnte umschrieben werden: Die Mutter für ihn und die Mutter für uns. Er ein Mensch in Ängsten wie wir. Das Programm seines Lebens ist die Erfüllung des Vaterwillens - und das durch alle Tiefen menschlichen Lebens. Sie die Mutter der Güte mit dem Blick zu uns und für uns, die Mutter von der Immerwährenden Hilfe, die Mutter der dauernden Zuwendung, die Mutter, die immer ein offenes Ohr für uns hat, die Mutter mit der starken Hand, an die wir uns klammern können. Als Menschen in Ängsten halten wir Ausschau nach Hilfe, die bleibt; nach Güte, die sich uns zuwendet; nach Geborgenheit, der es nicht zu viel ist, zuzuhören; nach Händen, die sich uns nicht entziehen.

ULF von der Immerwährenden Hilfe

Maria Immerhilf!


Was meine Seele hütet,
Ich sag's nur Gott und Dir!
Denn Du bist meine Liebe,
Du liebst mich für und für!

Du sprichst, wenn alle schweigen,
Ein mächtig flehend Wort;
Du hilfst, wenn alle klagen,
Und nimmst den Kummer fort!

Du weißt um alle Sorgen,
Die je mein Leben trägt;
Du weißt um jedes Hoffen,
Das je mein Herz bewegt!

Und wie sich Gott Dir neiget,
Hörst gern Du mein Gebet,
Dass leis mir durch die Seele
Ein stilles Wunder geht!

Mein Schifflein auf den Wellen
Treibt manch gefährlich Spiel
Mit wetterschweren Winden,
Die's halten fern vom Ziel.

O hör' mein treues Flehen,
Das hallt im hohen Schilf:
Dass ich die Heimat finde,
Maria, immer hilf!

A. Ulrich, C. SS. R.

Samstag, 10. November 2007

Die Wunderhostie von Seefeld / Innsbruck

Seefeld_Tirol_1-1 Buchstäbliche Urkunde über die Entstehung der heil. Hostie, verfasst auf Befehl Sr. Majestät Kaiser Karl VI.

Kundt und zuwüssen seye Jedermann.

Als in dem Jahr nach Christi Geburth aintaußent dreyhundert vier und achtzig ain Mächtiger Edelmann Nahmens Oßwald Milser, der zu selber Zeit den gleich außer Seefeld gelegenen Burgfriden und Schlößl Schloßberg besitzete, zur österl. Zeit den fünff und zwanzigsten Marty am heil. Grien Donnerstag das Allerheiligste Sacrament empfangen wollte, und auß all zu großen Hochmueth von dem Priester zu Seefeld nicht wie andere Layen, und arme Leüth mit einer kleinen, sondern mit einer großen Heil. Hostia gespeiset zu werden begehrte, der Priester auch ihme dieses begehren wegen seinen großen ansehen auß Forcht und Menschlicher Schwachheit, nit abzuschlagen gethrauete, mithin demselben die große Hostiam darreichte.

Das besagter Edlmann, so bald als ihme der Priester das heil. Sacrament auf die Zungen legte, vor dem Altar augenblicklich bis an die Knie in die Erdten gesunken, und da er sich an den Altarstein halten wollte, auch dieser der Hand wundersam gewichen seye. Wie dann die Zaichen noch allda zu sehen.

Wie dann der Priester die H. H. Hostiam dem Edlmann gleich wiederumen aus dem Mund nahme, wäre selbe von des Mundts Nattürlichen Feüchtigkeit etwas zusammengezohen, und mit Bluet- und Blauen Biß-Zeichen unterloffen, und wirdet dieselbe bis heunt zu Tag in diese Gesalt allhier in einer Monstranzen aufbehalten. Der Milser fielle in große Reühe, thete Bueß, und Starb nach zwey Jahre zu Stambs in aller Gottes-forcht. Sein Weib aber wollte obig ihro auß der Kürchen gleich beigebrachte Begebenheit nit glauben, es were dann, wie sye sprache, daß der ihro Zugegen gewesste Holzstock frische Rosen brächte, welches auch zu so ungewöhnlicher Jahres Zeit augenblücklich geschehen. Worüber Sye Rasend worden, und in die Wildnussen wie Wildes Thyer verloffen ist.

 

Von einem Zisterzienser-Ordenspriester ("Gebet- und Erbauungsbuch zunächst für die Wallfahrer zum heiligen Blute in der St. Oswalds-Kirche in Seefeld", Innsbruck 1886)

(Veröffentlicht in: «DAS ZEICHEN MARIENS», 24. Jahrgang, Nr. 9, Januar 1991, Seite 7634-3735)

Samstag, 10. März 2007

Eine höchst interessante, bestverbürgte Totenerweckung durch den hl. Kirchenlehrer und Bischof Franz von Sales

Pfarrer Wilhelm Schamoni hat aus den Heiligsprechungsakten 20 Auferweckungen vom Tode dokumentiert. Hier soll ein besonders eindeutiger Fall, nämlich die Auferweckung des Hieronymus Genin auf die Fürbitte des hl. Franz von Sales durch die Wiedergabe wesentlicher Teile von Aussagen aus dem Heiligsprechungsprozeß präsentiert werden, die Pfr. W. Schamoni übersetzt hat.
Die Aussage des Bruders des Verunglückten lautet wie folgt:

"Aussage des Franz Genin, Steuereinnehmer und Amtsschreibers von Ste Hélène-du-Lac, in der Diözese St. Jean de Maurien Savoyen:

Saint François de Sales, Évêque et Docteur de la Sainte ÉgliseIm Jahre 1623 wohnten mein Bruder Hieronymus und ich bei Herrn Claudius Puthod, Pfarrer von Les Ollières im Gebiet von Annecy, Diözese Genf. Unsere Eltern hatten uns dort in Pension gegeben, damit wir unter Anleitung des Herrn Claudius Crozet, des Vikars von Herrn Puthod, Latein lernen sollten.
Am letzten Tage des Monats April im Jahre 1623 war mein Bruder schwer von dem Herrn Claudius Crozet gezüchtigt worden, weil er seine Lektionen nicht gut gelernt hatte. Darauf faßten mein Bruder und ich den Entschluß, zu unsern Eltern zurückzukehren. Am gleichen Tage, ohne irgend jemand unser Vorhaben mitzuteilen, gingen wir am frühen Morgen los und kamen an den Fluß Fier, der von Les Ollières ungefähr drei kleine Meilen entfernt ist. Wir fanden den Fluß außerordentlich angeschwollen von dem Schnee, der einige Tage vorher reichlich gefallen war. Und da wir ihn auf drei Planken überschreiten mußten, die in keiner Weise aneinander befestigt waren, zögerten wir darüberzugehen, aus Furcht für unser Leben. Aber die Angst, wieder in die Hände des Herrn Crozet zu fallen, ließ uns diese Furcht überwinden. Jedoch, bevor wir es wagten, fühlten wir uns angetrieben, uns der Fürbitte des ehrwürdigen Dieners Gottes Franz von Sales zu empfehlen, und nachdem wir uns hingekniet hatten, machten wir das Gelübde, wir würden, wenn wir unter seinem Schutze über den Fluß kämen, sein Grab besuchen und die Messe in der Kirche der Heimsuchung (de la Visitation) hören, in der sein Leib ruht. Nach diesem Gelübde wollte mein Bruder, welcher der ältere war, als erster hinübergehen, und er sagte mir, ich solle es unter keinen Umständen wagen hinüberzugehen, bis er nicht auf dem anderen Ufer sei. Er befürchtete, durch die Bewegung der schwankenden Bretter könnten der eine oder andere oder sogar wir beide zusammen in den Fluß fallen. Ich blieb also am Ufer, während er fast bis zur Mitte des Flusses gelangte, wo er schwindlig wurde und daneben trat und mit dem Gesicht auf die Bretter fiel und mit lauter Stimme rief: "Seliger Franz von Sales, rette mich!" Ich hörte dies sehr genau. Ich eilte zwei oder drei Schritte auf die Bretter, um zu versuchen, meinem Bruder zu Hilfe zu kommen, so weit mein Alter und meine Kräfte es mir erlaubten. Aber vergebens! Denn im gleichen Augenblick fiel mein Bruder in den Fluß. Ich selbst war so erschrocken über seinen Fall, daß ich selbst auch auf die Bretter fiel, und ich war ebenfalls in Gefahr, das Leben zu verlieren. Da ich aber ziemlich nahe am Ufer war, rutschte ich, nachdem ich mehrere Male den Diener Gottes angerufen hatte, indem ich schrie: "Seliger Franz von Sales rette mich", auf dem Bauche bis zum Ufer, von dem ich hergekommen war, und nachdem ich mich aufgerichtet hatte, betrachtete ich den Lauf des Flusses, ob ich meinen armen Bruder sähe. Ich lief sogar das Ufer entlang ungefähr zweihundert Schritte, weinte und rief: "Mein Bruder, mein Bruder!" Aber ich konnte nichts anderes sehen als seinen Hut, der auf dem Wasser schwamm, und der war schon sehr weit von mir weg.
Da ich sah, daß Weinen nichts nützte, kehrte ich nach Les Ollières zurück, um Herrn Puthod unser Unglück zu melden. Wie ich nun durch das Dorf Ornay ging, fragten mich einige Leute, die mich weinen sahen, nach dem Grunde meiner Tränen. Als ich es ihnen erzählt hatte, eilten sie an das Ufer des Flusses, während ich nach Les Ollières ging. Da ich weder Herrn Puthod noch Herrn Crozet fand, mußte ich bis zum Nachbardorf weitergehen, um Hilfe zu holen und zu bestellen, man möchte den genannten Herren Puthod und Crozet Bescheid von dem Unglück geben, das meinem Bruder zugestoßen sei, wenn sie wieder zurückkämen. Darauf kehrte ich wieder an den Fluß zurück. Ich fand dort mehr als dreißig Personen. Mehrere sagten mir, sie suchten schon über drei Stunden, ohne meinen Bruder entdecken zu können. Einige Zeit später sah ich einen gewissen Alexander Raphin kommen, begleitet von seinem Sohn und mehreren anderen aus dem Dorfe Ornay. Man sagte mir, er sei der beste Taucher in der ganzen Gegend. Er pflegte zu tauchen und die Leichen der Ertrunkenen aus dem Fluß zu holen. Er habe schon eine ganze Anzahl solcher ans Land gebracht. Ich bat ihn unter heißen Tränen, meinen armen Bruder zu suchen, und ich versprach ihm, der Herr Pfarrer von Les Ollières, bei dem ich in Pension sei, werde es ihm reichlich wiedergutmachen.
Mehrere von den Anwesenden baten ihn ebenfalls darum. Er versprach, es zu tun, und fragte mich, an welcher Stelle mein Bruder hineingefallen sei. Nachdem er sie sich genau angesehen und die Tiefe gemessen hatte, zog er sich aus und sprang ins Wasser, wo er eine gute Viertelstunde, indem er immer wieder an die Oberfläche kam, um Luft zu schöpfen, tauchte. Da er nichts fand, stieg er aus dem Wasser, wobei er sagte, daß er nicht länger darin habe bleiben können. Nachdem er sich wieder angezogen und ein wenig Wein genommen hatte, wollte er gehen. Aber ich weinte so sehr, und diejenigen, die dabeistanden, baten ihn so dringend, daß er versprach, von neuem zu tauchen und nicht eher zu gehen, als bis er die Leiche meines Bruders gefunden habe. So sprang er, nachdem er sich lange ausgeruht hatte, an derselben Stelle wiederum ins Wasser und suchte nach allen Seiten. Dann ging er ein großes Stück weiter hinunter, ohne Erfolg, und gezwungen, aus dem Wasser zu steigen und seine Kleider wieder anzuziehen, sagte er von neuem, das Wasser sei zu kalt, als daß er noch länger suchen könne. Dann gingen alle, die herbeigekommen waren, mit dem Herrn Raphin den Fluß hinunter und hielten Ausschau, wo etwa der Körper festgehalten sein könnte. Schließlich, nach einer Stunde Suchens ungefähr, stießen sie in dem Dreh einer Krümmung des Flusses auf einen außergewöhnlich tiefen Kolk. Und der Herr Raphin und die anderen meinten, daß er vielleicht in diesem Wasserloch festliege. Darum entkleidete er sich wieder, und, nachdem er sehr lange getaucht hatte, kam er wieder hoch und rief: "Ich habe ihn gefunden!" Dann stieg er aus dem Wasser und sagte, er könne nicht mehr, er müsse sich erst erholen, dann werde er nochmals tauchen und ihn bergen. Das tat er, er brachte ihn an einem Arme hoch unter sehr großer Anstrengung. Der Sohn des genannten Raphin stürzte sich ins Wasser, um seinem Vater zu helfen und stieß den Körper vor sich her. Sobald er aus dem Wasser war, legte man ihn auf die Erde. Ich sah ihn so aufgedunsen und häßlich, daß er nicht mehr zu erkennen war. Die Anwesenden alle, weil sie ihn bewegungslos, ganz zerstoßen und blau sahen, sagten, er sei tot. Dann nahm ihn sich der Herr Raphin auf die Schulter und trug ihn in das Dorf Ornay und legte ihn in einer Scheune auf die Erde. Da aber der Herr Pfarrer von Ville gekommen war und ihn lange betastet hatte und keinerlei Bewegung feststellte, sagte er laut: "Er ist tot, daran kann man nicht zweifeln. Trotzdem, weil er bei Herrn Pfarrrer von Les Ollières wohnt, kann man ihn nicht beerdigen, bevor dieser benachrichtigt ist und über das Begräbnis verfügt hat."
Infolgedessen wartete man bis zum folgenden Tag. Inzwischen ließ Herr Pfarrer schon auf dem Kirchhof das Grab ausheben an der von ihm bezeichneten Stelle. Er fragte mich, ob es lange her sei, daß mein Bruder Hieronymus gebeichtet habe. Ich antwortete ihm, ich hätte gesehen, wie er am letzten Karsamstag bei Herrn Pfarrer von Les Ollières beichete. Mittlerweile war dieser Pfarrer selbst angekommen, und als er diesen armen Leichnam sah, kniete er sich hin und betete sehr lange. Als er sich dann erhob, ging er auf mich zu und sagte mir diese Worte: "Wenn du und dein Bruder gehorsamer gewesen wäret, würden du und ich weniger Leid haben." Er sagte mir, ich solle mit ihm zu Herrn Pfarrer von Ville gehen, und bat diesen Herrn Pfarrer um den Trost, am nächsten Morgen das Beerdigungsamt halten zu dürfen. Dieser war einverstanden und lud uns zum Abendessen ein. Während der Mahlzeit ließen sie sich von mir alle Einzelheiten des Unglücks erzählen. Ich erwähnte ihnen in besonderer Weise das Gelübde, das mein Bruder und ich dem Diener Gottes gemacht hatten. Darauf versicherte Herr Puthod, er habe sich, während er bei der Leiche betete, angetrieben gefühlt, Gott zu bitten, auf die Verdienste seines Dieners Franz von Sales diesem jungen Menschen, der seiner Obhut anvertaut worden war, das Leben wiederzugeben, und daß, wenn die göttliche Güte sein Gebet erhören würde, er gelobt habe, an neun Tagen nacheinander in der Kirche, in welcher der Leib des Dieners Gottes ruht, die hl. Messe zu lesen. Gegen Ende des Abendessens kam ein gewisser Stephan Gonet aus Annecy und wollte Herrn Pfarrer von Ville fragen, ob er etwas nach Annecy mitzunehmen habe. Herr Puthod, der Pfarrer von Les Ollières, kannte den Herrn Gonet und erzählte ihm die Bedrängnis, in der er sich befand, und von den Gelübden, die mein Bruder und ich und später er dem Diener Gottes gemacht hätten. Dann bat er ihn, er möge, wenn er nach Annecy gekommen sei, noch bevor er in sein eigenes Haus trete, so freundlich sein und die genannten Gelübde am Grabe des Dieners Gottes darbringen. Der Herr Gonet versprach es, er fügte sogar hinzu, er werde eine Messe in dieser Meinung lesen lassen.
Nach dem Abendtisch gingen die beiden Pfarrer in die Scheune, in welcher der Leichnam lag. Sie ließen Weihwasser bringen und beteten die Totenvigil. Ich ging mit ihnen und wollte bleiben und die ganze Nacht bei meinem armen Bruder wachen. Aber der Herr Puthod wollte es mir nicht erlauben. Er brachte mich ins Haus des Pfarrers von Ville zurück, wo ich schlief und erst ziemlich spät aufstand wegen meiner großen Müdigkeit. Sobald ich aufgestanden war, kehrte ich mit Herrn Puthod in die Scheune zurück. Ich fand die Leiche meines Bruders noch unförmiger und häßlicher als am Vorabend. Herr Puthod betete sehr lange und ging dann. Eine Stunde später kam er zurück mit dem Herrn Pfarrer von Ville. Sie hatten Rochett und Stola angelegt und kamen mit Kreuz und Weihwasser, um die Leiche zur Beerdigung abzuholen. Jedoch in dem Augenblick, wie man sie in einen Sarg legen wollte (nach der Gewohnheit jener Gegend, wo man die Leichen von Ertrunkenen erst dann in den Sarg legt, wenn man sie zur Beerdigung heraustragen will), erhob mein Bruder einen Arm. Ich hörte ihn klagen und diese Worte sprechen: "O seliger Franz von Sales!" Über diese Worte waren alle Anwesenden derart entsetzt, daß die einen davonliefen, andere in Ohnmacht fielen und die mutigsten riefen: "Ein Wunder, ein Wunder!"
Die beiden Herren Pfarrer faßten meinen Bruder an der Hand und hoben ihn hoch. Er war nun nicht mehr häßlich und unförmig, wie einen Augenblick vorher, sondern hatte sein gewöhnliches Gesicht. Als Herr Puthod ihn fragte, ob er ihn kenne, gab er diese Worte zur Antwort: "Ich kenne den seligen Franz von Sales, er ist mir erschienen und hat mir seinen Segen gegeben."
Man ließ Wein bringen. Er wusch sich Sand aus dem Mund, den Augen, Ohren, der Nase. Man gab ihm ein Hemd. Man konnte feststellen, daß er an mehreren Stellen zerstoßen war. Mit geliehenem Zeug kleidete man ihn an. Seine eigene Kleidung war ganz naß und voller Schmutz. Danach erzählte er, wie ihm im Augenblick, in dem er erweckt wurde, der Diener Gottes in bischöflichem Gewand erschien, so wie er auf unsern Bildern gemalt ist, und habe ihm seinen Segen gegeben. Er habe ein strahlendes Antlitz gehabt und ihn sanft und gütig angeschaut. Darauf zogen wir uns mit dem Herrn Puthod nach Les Ollières zurück. Als wir angekommen waren, strömte alles zur Kirche, wo Herr Puthod das Tedeum antstimmte.
Vom Abend dieses Tages an aß und trank mein Bruder wie gewöhnlich. Wahr ist, daß er in der Nacht über heftige Schmerzen an den Schenkeln, den Armen und Füßen klagte, und der Herr Puthod und ich sahen die Verletzungen an seinen Gliedern. Die Schmerzen dauerten bis zu dem Tage, an dem Herr Puthod uns nach Annecy brachte, um unsere Gelübde am Grabe des Dieners Gottes einzulösen (4. Mai). Als wir in die Kirche der Heimsuchung (de la Visitation) gekommen waren, ließ Herr Puthod meinen Bruder sich auf das Grab des Dieners Gottes legen. Nachdem er ungefähr eine halbe Viertelstunde darauf gelegen hatte, erhob er sich mit ungewöhnlichem Schwung, indem er sagte, die heftigen Schmerzen, an denen er vorher gelitten hatte, seien mit einem Schlage weg. Herr Puthod ließ ihn eines der Hosenbeine hochziehen, und wir fanden, daß alle seine Verletzungen geheilt waren. Als wir in den Gasthof zurückgekehrt waren und Herr Puthod ihn sich entkleiden ließ, stellten wir fest, daß ihm keine Spur von all seinen blutunterlaufenen Stellen geblieben war. Sein Körper war genauso gesund und unverletzt wie vor dem Sturz. Wir blieben in dieser Stadt die ganzen neun Tage. Wir hörten dort die neun Messen, die Herr Puthod in der Kirche feierte. Nach dieser Novene kehrten wir sehr getröstet nach Les Ollières zurück. Die Erinnerung an das Wunder ist meinem Geist so tief eingeprägt geblieben, daß kein Tag vergeht, an dem ich Gott nicht dafür danke und mich der Fürbitte seines Dieners empfehle."
Von der Aussage des Pfarrers Puthod sollen nur einige Passagen zitiert werden.
"Herr Kanonikus Puthod, zur Zeit des Wunders Pfarrer von Les Ollières, erklärte in seiner an Einzelheiten reichen Aussage:
Am 29. April kehrte ich aus dieser Stadt Annecy in mein Pfarrhaus von Les Ollières zurück. Dort erzählte ich, nachdem ich die hl. Messe gefeiert hatte, Herrn Claudius Crozet, meinem Vikar, und den Brüdern Hieronymus und Franz Genin die Auferweckung von Fräulein de la Presse. Die beiden jungen Schüler waren ungefähr 13 - 14 Jahre alt, gebürtig aus der Pfarrei Sainte-Hélène-du-Lac in der Diözese Maurienne. Ihre Eltern hatten sie bei mir in Pension gegeben, damit sie unter Anleitung des Herrn Crozet die lateinische Sprache erlernen sollten. Die Auferweckung dieses jungen Mädchens auf die Fürbitte des Dieners Gottes Franz von Sales gab mir Gelegenheit, die beiden Schüler zu ermahnen, daß sie ihn verehren sollten ...
Ich wurde zur gleichen Zeit innerlich stark angeregt, Gott und seinem Diener Franz von Sales zu versprechen, daß ich, wenn es der göttlichen Güte gefallen würde, zur Verherrlichung dieses seines wahren Dieners diesem Leichnam das Leben wiederzugeben, neun Tage in dieser Stadt Annecy bleiben würde, um an ihnen neun Messen in der Heimsuchungskirche zu feiern, wo sein Leib ruht. Ich machte dieses Gelübde in der Scheune, nachdem ich ein De profundis (= Ps 129) für die Seelenruhe des Jünglings gebetet hatte...
Ich kehrte in die Scheune zurück und ging sogleich auf den Körper zu, dessen Gesicht schon von einem der Beistehenden freigemacht war. Ich war erstaunt aufs äußerste, diesen jungen Mann voller Leben zu sehen. Sein Gesicht war so wie vor seinem Tode, die Augen offen, die Stimme ziemlich fest, besonders als ich ihn fragte, ob er mich nicht kenne. Er antwortete mir: "Ich kenne den seligen Franz von Sales, durch den ich auferweckt bin; und ich kenne auch Sie, Herr Pfarrer." ...

Reliquienschrein des hl. Franz von SalesReliquienschrein des hl. Franz von Sales in der Basilika der Visitation von Annecy. (Prokura der Missionäre des hl. Franz von Sales, 6, chemin du Bac, Genf)

Am 4. Mai des genannten Jahres 1623 machten die Brüder Hieronymus und Franz Genin und ich uns gegen fünf Uhr morgens auf den Weg, um uns zur Erfüllung unserer Gelübde in diese Stadt Annecy zu begeben, zum Grabe des Dieners Gottes Franz von Sales. Wir kamen dort gegen neun Uhr morgens an. Ich feierte die hl. Messe, die erste der neun, die ich versprochen hatte, dort zu feiern. Ich reichte in ihr Hieronymus und Franz Genin die hl. Kommunion, und sofort, nachdem ich in der Sakristei meine Danksagung beendet hatte, ließ ich Hieronymus sich mit seiner ganzen Länge auf das Grab des Dieners Gottes hinlegen. Er blieb so ungefähr eine halbe Viertelstunde, währenddessen ich mit seinem Bruder Franz auf den Knien blieb. Am Ende dieser Zeit erhob er sich mit einem ungewöhnlichen Schwung, indem er uns genau diese Worte sagte: "Durch die Barmherzigkeit unseres Herrn sind meine Schmerzen plötzlich verschwunden." Aus diesem Grunde wollte ich seine Füße, seine Schenkel, seine Arme nachsehen, die ich an diesem selben Tage, bevor wir von Les Ollières fortgingen, noch ganz schwarz und blau gesehen hatte. Darum ließ ich ihn eines seiner Hosenbeine hochziehen, und ich sah, daß sein Fuß ohne jede schwarze und verletzte Stelle war. Ich dankte Gott für diese Gnade. Und als wir in den Gasthof zurückgekehrt waren, untersuchte ich nochmals seinen ganzen Körper, und ich fand ihn ebenso gesund wie vor dem Sturz in den Fluß.
Wir blieben in Annecy die ganzen neun Tage, an denen ich die gelobten neun Messen zelebrierte ..."

Zum Schluß zitiert Pfarrer Schamoni noch aus der Heiligsprechungsbulle des Papstes Alexander VII.:
"Es steht durch öffentliche Verhandlungen, die in Unserem und der hl. Ritenkongregation Auftrag vorgenommen und mit Sorgfalt durchgeführt sind, fest, daß Hieronymus Genin, der vom Wasser verschlungen war, gerade als sein schon riechender und in einem Leichentuch eingehüllter Leichnam herausgetragen werden sollte, wieder lebendig wurde, die Arme erhob, zu sprechen anfing und Franz von Sales pries, der ihm im selben Augenblick, da ihm das Leben zurückkehrte, erschien im bischöflichen Gewand und mit gütigem und verklärtem Antlitz.[Magnum Bullarium Laertii Cherubim, Luxemburgi 1727, VI, 224]"

Aus: "Überprüfte Wunder", von Harald Grochtmann, Verlag Hl. Pater Maximilian Kolbe, 1988, und "Wunder sind Tatsachen" ("Parallelen zum Neuen Testament"), von Wilhelm Schamoni, Joh. Naumann-Verlag, Christiana-Verlag, Veritas-Verlag. (Der vorstehende Artikel ist erstmals erschienen in «DAS ZEICHEN MARIENS», 24. Jahrgang, Nr. 1-5, Oktober A.D. 1990, Seiten 7525-7527)

Siehe auch die französische Version dieses Totenerweckungsberichtes!

Mittwoch, 28. Februar 2007

Die Geschichte der Muttergotteserscheinungen von Obermauerbach, bei Aichach

„Wir erzählen hier eine ausführliche, der Wahrheit getreue Geschichte von der allerseligsten Jungfrau Maria, welche einem Hirtenknaben beim Hüten seines Viehes in einem Walde erschienen und deren Inhalt die Verfasser aus dem Munde des Hirtenknaben und seiner Eltern selbst vernommen haben.
Da schon mehrere Schriftchen über diese Erscheinung bekannt sind, selbe aber entweder zum Theil entstellt oder allen Wahrheitsgrund entbehren, so fanden wir uns bewogen, den wahren Sachverhalt der That zu untersuchen; und wir sind jetzt in den Stand gesetzt, da wir Augenzeugen und auf dem Platze waren, den daran Gläubigen dieses wundersame Ereigniß an's Herz zu legen.
Ein und eine halbe Stunde von AICHACH, einem lebhaften Städtchen, in Oberbayern gelegen, auf einer mit Tannen und Kornfeldern besäeten Höhe liegt das Pfarrdorf OBERMAUERBACH, und eine Viertelstunde davon östlich entfernt ein Wald, „BUCHSCHATTEN" genannt. Bevor wir uns aber auf diesen Platz begeben, müssen wir die genaue wahrheitsgetreue Schilderung des Lebens des Hirtenknaben geben.
JOHANN BAPTIST STICHLMAIR, geboren den 30. October 1835 in dem Pfarrdorf Obermauerbach, war fleißig und lernbegierig in der Schule und andächtig in der Kirche, welches Zeugniß der jetzige Herr Pfarrer Eustach Wiedemann, welcher seit 14 Jahren Seelsorger der oben erwähnten Gemeinde ist, dem Knaben gibt. Seine Eltern Jakob Stichelmair, Halbgütler, und dessen Ehefrau Katharina geborne Riedelberger, schlichte und brave Leute, gaben ihm nebst noch drei Schwestern eine christliche Erziehung und erzogen ihn in der Furcht des Herrn und Verehrung der allerseligsten Jungfrau Maria.
Vergangenes Frühjahr heurigen Jahres trat oben erwähnter Knabe in Dienst zum Hüten des Viehes, bei Lorenz Oswald, Ziegler zu Obermauerbach. Eines Morgens, es war der 12. MAI 1848, Vormittags 10 Uhr, trieb der Hirtenknabe sein Vieh in die Nähe der jetzt geheiligten Stätte; dort sich seinen Gedanken hingebend, erblickte er nach einer Weile, daß sich von seiner Heerde einige Kühe verlaufen hatten, er eilte ihnen ins Gebüsche nach, sah hin und her und erblickte auf einmal, o Himmel! eine wunderschöne Frau auf einem abgehauenen Baumstocke sitzen, welche bitterlich weinte; der Knabe stand ungefähr 30 Schritte entfernt, sah an der herrlich schönen Frau weder Hand noch Fuß, sondern die ganze Gestalt war eingehüllt in ein Kleid, dessen Farbe war wie frisch aufgeblühte Rosen, und ein weißer Schleier, schimmernder als der neugefallene Schnee, wallte bis auf den Boden. Ihr Gesicht war, wie man sich nur die Himmelskönigin vorstellen kann, und auf ihrem Haupte prangte eine goldene zackige Krone, deren Glanz und Farbenpracht strahlender als die Sonne erschien. Mitten in der Krone brannte ein Licht. Doch der Knabe, als er sie eine Weile betrachtet, dachte an sein Vieh, trieb es zusammen und als er wieder an seine vorige Stelle kam, war die schöne Frau verschwunden und er sah nichts als den leeren Baumstock; im Dorfe hörte er Mittag läuten und so machte er sich in Gottes Namen mit seinem Vieh auf den Weg nach Hause, immer in Gedanken mit der wunderbaren Erscheinung beschäftigt, welche er sich nicht enträthseln konnte.
Als er nach Hause zurückgekehrt war, erzählte er seinem Dienstherrn, was ihm begegnet und was er gesehen. Dieser nahm die Sache anders und sagte zu dem Knaben: „Dir hat geträumt? Du wirst geschlafen haben?" Der Knabe aber sprach: Nein, nein! mit offenen Augen sah ich Alles, und nicht geschlafen habe ich; sondern ich stand von der lieblichen Frau nur 30 Schritte entfernt." Nun meinte sein Herr, sollte Dir noch einmal die schöne Frau erscheinen, so gehe beherzt auf sie zu und frage sie, was sie wolle.
Johann Stichelmair trieb nun am selben Tage, nämlich am 12. Mai 1848 Nachmittags auf Zureden seines Meisters oder Dienstherrn sein Vieh zum zweiten Mal in jene Gegend, wo er dasselbe am Morgen gehütet hatte, und siehe da: Abends gegen 5 Uhr stellte sich die nämliche Erscheinung der allerseligsten Jungfrau wieder ein. Sie saß auf dem zurückgebliebenen Stocke eines gefällten Birkenbaumes und weinte. Auch jetzt winkte sie dem Knaben.
Derselbe trat vor sie hin, und stand ihr vor Ehrfurcht und Andacht, ganz geblendet von dem Glanze, der sie umstrahlte, und den er mit dem Glanze vieler Spiegel verglich, gegenüber. — Drei große Hauptstrahlen flossen, die ganze Gegend erleuchtend, und ihre dreifache Beziehung zur Gottheit als Tochter des Vaters, Mutter des Sohnes und Braut des hl. Geistes sinnbildend, von ihr aus und in der Helle ihres Glanzes waren Hände und Füße verhüllt und unsichtbar. Da redete sie den Knaben mit außerordentlich wohltönender, harmonischer und feiner Stimme also an:
„KOMM NÄHER, LIEBER JOHANN (sie nannte ihn beim Namen) UND SEI OHNE FURCHT UND MERKE AUF DAS, WAS ICH DIR OFFENBAREN WILL, AUF DASS DU ES DEN MENSCHEN WIEDER VERKÜNDEST. NICHT MEHR BIN ICH IM STANDE JENE GROSSEN STRAFEN, MIT DENEN GOTT DIE MENSCHEN HEIMSUCHEN WILL, ZURÜCKZUHALTEN, DENN OHNE NÄCHSTENLIEBE SIND DIESELBEN GANZ IN BOSHEIT VERSUNKEN, NUR DIE SCHLEUNIGSTE BUSSE KANN SIE NOCH RETTEN UND GOTTES ZORN ABWENDEN. AUSSERDEM WIRD EINE UNGEWÖHNLICH GROSSE STERBLICHKEIT MIT SEUCHEN UND EINEM VERHEERENDEN VÖLKERKRIEGE ÜBER SIE HEREINBRECHEN UND SCHULDIGE ZUR STRAFE DER HÖLLE UND AUCH UNSCHULDIGE ZUM LOHNE DES HIMMELS DAHIN RAFFEN. HAST DU ES AUCH WOHL VERSTANDEN, MEIN LIEBES KIND, VERGISS NICHT, ES DEN MENSCHEN, SO WIE ES DIR GEOFFENBART WURDE, WIEDER ZU OFFENBAREN."
Als sie diese Worte gesprochen hatte, erhob sie sich in die Lüfte. Der Knabe, in dessen Innern eine wunderbare Rührung während dieser Anrede der hl. Jungfrau vorgegangen war, und dessen Augen voll Thränen waren, sah auf einmal nichts mehr. Aber da schwebte die heilige Mutter noch ein Mal seinen Augen sichtbar zum Boden nieder und erhob sich erst dann, nachdem sie hiedurch glaublich die volle Gewißheit ihrer Erscheinung hatte leisten wollen, wiederholt zum Himmel und entschwand seinen Blicken. Der Schimmer bei ihrem allmähligen Verscheiden war ein ganz unbeschreiblicher und wurde auch von einer Bäuerin, die mit ihren beiden Mägden im Felde arbeitete, mit Erstaunen wahrgenommen.
Des andern Tages erfuhr es mein würdiger Seelsorger, Herr Pfarrer Wiedemann, und des folgenden Tages spät am Abend meine lieben Eltern, sagt der Knabe. Gleich einige Tage nach der Erscheinung und dessen Offenbarung strömten Leute, geistlichen und weltlichen Standes, aus allen Gegenden herbei, welche sich auf die geheiligte Stelle, wie auch in die Wohnung meiner Eltern begaben, um das aus meinem Munde zu vernehmen, was ich gesehen und gehört habe. Gern bin ich bereit allen Menschen, wessen Standes sie sind, der Wahrheit gemäß zu verkünden, was die glorreiche Himmelskönigin mir als heiligste Pflicht übertragen hat.
In Folge dieser Verkündung der allerseligsten Jungfrau Maria, mit den ernsthaften Worten eine verhängende Strafe über die Menschen erwartend, und durch das Herbeiströmen so vieler Tausend Gläubigen, welche Alle aus des Knaben Munde die Wahrheit erfahren wollten, wurde er so nachdenkend und fühlte sich im Innern seines Gemüths so angegriffen, daß er von einer achttägigen Krankheit befallen wurde, jetzt aber sich wieder gesund befindet. Gott sei tausendfältiger Dank gesagt, und der allerseligsten Himmelskönigin, Jungfrau und Mutter Gottes Maria.
Der Birkenstock ist vom gläubigen Volke ausgegraben und in tausend Partikeln vertheilt worden. Eine Menge von Pilgern besuchen den Ort dieser heiligen Erscheinung und viele kranke Wallfahrter kehrten seit dieser Zeit, wunderbarer Weise geheilt in ihre Heimath zurück.
Diese erzählte Geschichte der Erscheinung der Mutter Gottes zu Obermauerbach wurde, wie erwähnt, genommen aus der Erzählung zweier Augenzeugen und aus Mittheilungen aus den Untersuchungsakten des Landgericht Aichach. Auch wurde diese Geschichte von dem erzbischöflichen Ordinariat geprüft und wahr befunden. Diese Mittheilung ist erprobte Wahrheit, auf die man sich vollkommen verlassen kann. Auch viele wundervolle Krankenheilungen bestätigen fortwährend diese Wahrheit.


DIE WEITEREN ERSCHEINUNGEN DER HEILIGSTEN JUNGFRAU MARIA ZU OBERMAUERBACH BEI AICHACH IN BAYERN
am 16. und 28. Juni 1848, in Gegenwart von 56 Personen,
welche dieses Wunder mit Gut und Blut behaupten und beschwören.
(Nach Johann Deschler in der Vorstadt Au bei München)

VORWORT

Die Erscheinung der heiligen Jungfrau Maria auf dem Berge Salette in Frankreich und die daselbst geschehenen Wunder haben nicht nur alle frommen christgläubigen Seelen mit Erstaunen und Freude erfüllt, sondern viele ungläubige Franzosen bekehrt und sie zu dem heiligen Licht des Glaubens gebracht. Nun wollte Gott, der Allbarmherzige, auch dem deutschen Lande eine Ermahnung auf diesem wunderbaren Wege gewähren, und ließ deßhalb die heilige Ursula zu Köln in der Domkirche mit dem Schwert in der Hand, und dem Hirtenknaben J. Stichelmair in Obermauerbach die heilige Jungfrau Maria zweimal erscheinen und zwar mit einer wahrhaft himmelsmütterlichen Ermahnung für die Menschenkinder, die Sie so gerne Alle in ihren himmlischen Schutz nehmen möchte, und wahrlich, solche Wunder Gottes hätten denn doch eine allgemeine Aufmerksamkeit erregen, und den übermüthig dumm stolzen Sinn der ungläubigen Spötter beugen sollen; aber nichts desto weniger! Nicht nur theilnahmlos und mit zweifelhaftem Glauben wurde dieses große Wunder allenthalben aufgenommen, weil ein Hirtenknabe die Angabe gemacht, sondern sogar mit frechem Hohne in öffentlichen Blättern darüber hergefallen und als das Possenspiel einer Pfarrerköchin hingestellt, um auch noch die katholische Geistlichkeit zu verdächtigen. Aber siehe da! Die Bosheit und der Unglauben sollte zu Schanden werden; so fügte es der allbarmherzige Gott, daß die heilige Jungfrau Maria noch zweimal vor vielen Augenzeugen erschien, deren Aussagen man nicht verwerfen kann, weil sie alle entschlossen sind, wie es sich auch gebührt, für die Wahrheit des Gesehenen mit Leben und Seligkeit einzustehen. Auf den Grund der vielseitigen Entstellung dieser heiligen Sache und der vielseitig verbreiteten Lügen hierüber hat das Erzbischöfliche Ordinariat über dieses Faktum in Bezug auf die Individualität des Hirtenknaben eine Untersuchung angeordnet, nach deren Resultat die Aussage des J. Stichelmair sowohl nach seines Geistes Fähigkeiten als in Beziehung auf seinen moralischen Werth, nicht bezweifelt werden kann, jetzt aber wohl durch die neuesten zweimaligen Erscheinungen, die in Gegenwart so vieler Augenzeugen geschehen sind, das große Wunder auf die ecclatanteste Weise bewahrheitet wurde.


ERSTE ERSCHEINUNG

Es war am Tage des heiligen Benno, unseres Stadt- und Landespatrons, nämlich Freitag den 16. Juni 1848, Abends halb 7 Uhr, als oben hoch in den Wolken, über dem Platze, wo die heilige Jungfrau dem Hirtenknaben erschien, von mehreren anwesenden Leuten ein heller Glanz gesehen wurde. Man achtete Anfangs nicht darauf und glaubte es sei ein Reflex der untergehenden Sonne, allein allmählig entfaltete sich diese Lichtwolke zu einem wunderschönen regenbogenfarbigen Kranze, welcher sich wie die mit farbigen und beleuchteten Glaskugeln umgebene Pforte eines heiligen Grabes gestaltete, und langsam herniederschwebte bis zur Höhe eines Tannenbaumes von der Erde entfernt. Jetzt war das Erstaunen allgemein, besonders da man bald nachher in Mitte dieses strahlenden Kranzes den heiligen Namen Jesus in hochrother feuriger Farbe erblickte. Vom Erstaunen hingerissen, fielen nun die 16 anwesenden Personen auf die Kniee, verwandten kein Auge von dem Orte, an welchem sich nun auch die hl. Jungfrau Maria, nachdem der hl. Namen Jesu verschwunden war, im goldenen Gewande präsentirte. Ein Schrei der höchsten Verwunderung verkündete jetzt diese Wundererscheinung, deren Glanz das menschliche Auge nicht ertragen konnte, wenn nicht denselben manchmal von Sekunde zu Sekunde eine leichte Wolke gemildert hätte. Mit tiefergriffenem Gemüthe und zerknirscht über die große Gnade, mit welcher diese Versammlung beglückt wurde, entströmten jeder Person jetzt Thränen der Freude; — kein Mensch sprach ein Wort, man konnte nur ein lautes Schluchzen und Weinen vernehmen; Alle waren verstummt vor freudenvollem Schrecke und nur durch die Zeichen der höchsten Bewunderung, die man sich gegenseitig durch fragende Blicke und Händeringen gab, konnte der laute Wunsch entnommen werden, daß man alle Menschen der Welt hieher rufen möchte, damit sie sich von dieser himmlischen Erscheinung überzeugen und sie auch das große namenlose Glück des Anblickes derselben genießen könnten.
Hört es ihr frommen Christen alle zur Kräftigung eueres Glaubens und Vertrauens! Hört es aber auch ihr ungläubigen Spötter zu euerer Erleuchtung! — Eine ganze halbe Stunde wurde diese Versammlung beglückt mit der Anschauung dieses großen Wunders göttlicher Barmherzigkeit, gleichsam als wollte die heilige Jungfrau in tiefer Betrübniß, aber doch freundlich lächelnd, den Menschenkindern zurufen: „Schauet alle hieher und gebt Zeugniß den Ungläubigen, damit sie zur Erkenntniß kommen!" — Nach einer halben Stunde erhob sich dieses Himmelsgebilde allmählig in die Wolken, welche den unendlichen Glanz desselben bedeckten und sich bis zu dem gänzlichen Entschwinden in ein purpurfarbiges Licht verwandelt hatten.
Einige von dieser Versammlung eilten zwar während der noch schwebenden Erscheinung in das eine Viertelstunde entlegene Mauerbach, um dessen Bewohner und den Herrn Pfarrer herbeizuholen; allein dieser war nicht zu Hause, und die Leute, welche hievon Kenntniß erhielten, kamen zu spät, um des Glückes noch theilhaftig zu werden, welches ihnen von allen Anwesenden weinend und mit freudenvoller Rührung umständlich erzählt wurde.


DIE ZWEITE ERSCHEINUNG

der heiligen Jungfrau Maria geschah am 12. Tage nach der ersten, nämlich Mittwoch den 28. Juni 1848, um halb 5 Uhr Abends, auf dieselbe Weise wie am heiligen Benno-Tage; aber in diesem Momente waren 40 Personen auf diesem Platze anwesend, und Alle haben dieses große Wunder mit eigenen Augen gesehen; alle wurden sie hiedurch mit einem Glücke begnadigt, das sie für das größte ihres Lebens halten.
Eine glanzstrahlende Wolke und der sich allmählig in gelb, blau und rothen Farben bildende, mit leuchtenden Kugeln umgebene, herrliche Kranz verkündigte auch dießmal der erwartungsvollen, auf den Knieen hegenden betenden Versammlung die himmlische Erscheinung, welche auch sogleich, jedoch aber mit dem Unterschiede von der ersteren erfolgte, daß der heilige Namen Jesus sich dießmal nicht präsentirte und die heil. Jungfrau Maria mit dem Jesukinde auf dem Arme erschien. Die Himmelskönigin trug wieder eine glanzstrahlende, goldene Krone auf dem Haupte, in deren Mitte eine kleine rothe Flamme leuchtete, und ein goldstoffenes Kleid an der heil. Jungfrau war deutlich zu erkennen. Diesen seligen himmlischen Anblick konnten die Begnadigten auch jetzt wieder eine halbe Stunde lang genießen, und dieses große Wunder bezeugen jetzt 56 Menschen aus allen Ständen mit Gut und Blut, und beschwören das wunderbare Faktum mit Leib und Leben bei ihrer Seligkeit.
Die Geschichte der Erscheinung der seligsten Jungfrau Maria am 12. Mai, dem Joh. Stichelmair wurde gerichtlich untersucht, sehr genau und wahr befunden. Der Knabe besteht fest auf seiner Aussage bei allen Proben und auch viele daselbst vorkommende Wunder an Kranken, die daselbst gesund wurden, oft von Lähmung und andern veralteten Uebeln und Leiden, bestätigen ebenfalls die Wahrheit. Vier Kranke fanden ihre Gesundheit nur dadurch, daß sie in das Loch gebracht wurden, wo der Birkenstock ausgegraben wurde, auf dem die Mutter Gottes saß. Diese wunderbare Erscheinung ist also sehr sicher und außer allem Zweifel, also sind auch ihre Prophezeiungen wahr und werden ohne Zweifel in Erfüllung gehen, oder haben vielmehr schon angefangen in Erfüllung zu gehen.
Betrachten wir nun diese Erscheinungen alle, so sind sie alle in der Hauptsache vollkommen übereinstimmend. Sie enthalten erstens eine Weissagung nahe bevorstehender Strafen wegen der Unbußfertigkeit. Wenn also die Menschen nicht wahre Buße wirken, so soll eine große Strafe über sie kommen. Daß aber keine Buße gewirket wird, sondern daß die Menschen immer noch mehr in der Unbußfertigkeit verhärtet werden, weiß Jedermann, folglich wird die angedrohte Strafe nicht ausbleiben, welche die Himmelskönigin selbst ankündet, so wie der Sohn Gottes sie auch selbst über das unbußfertige Judenthum angekündet hat.
Zweitens legt die seligste Jungfrau Maria an den Tag, mit welcher Liebe sie auch jetzt noch sich um die Menschenkinder annehme. Daß die Menschen so unbußfertig leben und dadurch ihrem Verderben entgegen gehen, ging ihr sehr zu Herzen. Sie weint darüber wie es Jesus einst gethan hat, indem er über das unbußfertige Judenvolk weint und ihm sein hartes Schicksal ankündet. Auch sehen wir nach diesen Erscheinungen, wie sehr sich die Jungfrau Maria um das Wohl der Menschen annehme, und wie sehr sie über die Unbußfertigkeit der Menschen sich betrübe. Es ist nun kein Zweifel mehr, daß diese Prophezeiung, welche die seligste Jungfrau Maria verkündet hat, nicht bald soll in Erfüllung kommen.
Drittens. Da die seligste Jungfrau Maria ein Bild der katholischen Kirche, und ein wunderbares Zeichen ist, das Joh. Off. 12,1 am Himmel erscheinen sah, ein Weib, das mit der Sonne Prachtgewand bekleidet war, den Mond unter ihren Füßen habend, so scheint Johannes gerade in diesem Verse auf diese Erscheinung hingewiesen zu haben, denn er sah ja seine Erscheinung im Geiste gerade so, wie sie sich am 16. und 28. Juni 1848 zu Obermauerbach von 56 lebendigen Zeugen offenbar dargestellt hat. Da nun dieses Zeichen, das Johannes schon so viele Jahrhunderte voraussah, jetzt einmal offenbar geworden ist, so verkündet uns dieses, daß auch das andere Zeichen erscheinen wird, nämlich ein blutrother Drache, den Johannes am Himmel sah. Johannes mag da auf die am Himmel erschienene Röthe hinweisen, die man insbesondere mit Schrecken am 18. November 1848 am Himmel erblickte und einem blutrothen Drachen glich, welches Zeichen man erst nach dem ersten Zeichen erblickte. Johannes selbst nennt diese Erscheinungen Zeichen, deren Bedeutung er aber im 12. Kapitel selbst erklärt. Demgemäß verkünden uns diese beiden Zeichen, daß nun soll offenbar und erfüllt werden, was er im 12. Kapitel seiner Offenbarung geschrieben hat. Es ist ein gewaltiger Kampf, den die Kirche mit der Höllenmacht durchzuführen hat, wobei sie noch große Trübsale auszustehen hat, größere als sie von Anfang her erlitten hat, davon ich im I. Theil gesprochen habe, wo ich dieses Zeichen schon einigermaßen erklärt habe: denn jetzt fangen diese Sachen an gegen das Ende zu gehen.
Viertens weiset diese Erscheinung vorbildlich auf die glorreiche Ankunft JESU CHRISTI mit seinem Himmelsheere vom Himmel her mit großer Pracht und Herrlichkeit und auf die baldige Ankunft des Reiches Gottes auf Erden, nachdem das Lamm den Sieg erhalten hat und alle irdische Königreiche zerstäubet und spurlos verschwunden sind.. (Daniel 2,35)
Fünftens endlich fordert uns all dieses auf, daß wir auf schwere Trübsale und Anfechtungen gefaßt und gestärkt sein sollen, durch einen bußfertigen Lebenswandel, um in kommender Prüfung bestehen zu können.


Ambros Oschwald, Baden, 1849
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Das Vorstehende ist eine Zusammenfassung ursprünglich zweier Teile, die erstmals erschienen sind in der Monatszeitschrift «DAS ZEICHEN MARIENS», 8. Jahrgang, Nr. 5/6, September/Oktober 1974 und Nr. 7, November 1974.