Freitag, 21. Januar 2011

Unsere Liebe Frau vom Sieg - Wigratzbad - Antonie Rädler (14. Dezember 1899 - 9. Dezember 1991)

"Ich weiß, dass Wigratzbad echt ist!"
von Bischof DDr. Josef Stimpfle

Der Ursprung der Gnadenstätte "Maria vom Sieg" in Wigratzbad ist eng mit der Lebensgeschichte von Frl. Antonie Rädler verbunden. Dem bisherigen Direktor Msgr. DDr. Rupert Gläser vertraute der damals für Wigratzbad zuständige Diözesanbischof DDr. Josef Stimpfle (1963-1992 Bischof von Augsburg) das persönliche Urteil an: "Ich weiß, dass Wigratzbad echt ist!" Nur so ist es zu erklären, dass Bischof Stimpfle am 12. Dezember 1991 selbst die Beerdigung von Frl. Antonie Rädler hielt und die Gelegenheit dazu nützte, in der Predigt sein Urteil über den Ursprung und die Sendung der Gebetsstätte darzulegen. Nachfolgend die Ausführungen von Bischof Stimpfle im Wortlaut, die in gewisser Weise eine kirchliche Anerkennung der Vorgänge von Wigratzbad darstellen.

I. DER HEIMGANG

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen. Liebe in christlicher Trauer und Hoffnung versammelte Schwestern und Brüder!
Nun ist die uns so wohlbekannte Stimme verstummt. Ein Herz hat zu schlagen aufgehört, das erfüllt war von der Liebe zu Gott und den Menschen. Eine Frau der Kirche ist in die ewige Heimat heimgegangen. Ihr Erdenleben ist ein Vorbild für das christliche Lebenszeugnis, zu dem alte Getauften und Gefirmten vom Herrn berufen sind. In den Letzten Monaten war Antonie Rädler an das Bett gefesselt. Immer seltener wurden die Augenblicke, in denen sie die Menschen ansprechen konnte. Frl. Antonie Rädler wurde ihnen zusehends entrückt, bis sie am 9. Dezember heimgehen durfte in das ewige Leben. Am Hochfest der Gottesmutter eine besondere Fügung Ihr Heimgang ist für uns alte zu einem Zeichen geworden. Es scheint, als hätte sie nach Gottes Willen warten sollen bis zum Hochfest der Unbefleckt Empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria, die sie in besonders inniger Weise ihr ganzes Leben Lang angerufen, der sie Kapelle und Kirche erbaut, die sie unzählige Male in diesem Gotteshaus gegrüßt hat mit dem Ave Maria, dem Gruß des Engels. Dass Antonie am 9. Dezember heimgerufen wurde, an dem Tag, an dem die Kirche in diesem Jahr das Hochfest der Immaculata gefeiert hat, erscheint uns, so meine ich, als eine besondere Fügung Gottes. Ihr Heimgang wurde zur Begegnung mit der verklärten Gottesmutter, zu der wir mit der gesamten katholischen Kirche an diesem Tag gefleht haben: "Trahe nos, Virgo Immaculata, post te curremus in odorem unguentorum tuorum" - "Ziehe uns zu Dir, Unbefleckte Jungfrau, damit wir Dir folgen. Deine Gewänder sind voller Herrlichkeit." Ihr Heimgang am Fest der heiligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria ist auch zur Begegnung mit ihrem verklärten Sohn geworden, den Antonie Tag für Tag angefleht hat: "O mein Jesus, ich glaube an Dich, ich bete Dich an, ich hoffe auf Dich, ich liebe Dich aus ganzem Herzen." Das Gebet erinnert an das Wort des Apostels Petrus: "Ihn habt ihr nicht gesehen, und dennoch liebt ihr ihn, ihr seht ihn auch jetzt nicht, aber ihr glaubt an ihn und jubelt in unsagbarer, von himmlischer Herrlichkeit verklärter Freude, da ihr das Ziel des Glaubens erreichen werdet: euer Heil" (Petr 1,81).

Lichtschein auf dem Antlitz der Sterbenden

Antonie's Begegnung mit Jesus und Maria wurde für sie zur Begegnung mit dem Dreifaltigen Gott: Das "Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heilgen Geiste" ist die kürzeste Zusammenfassung ihres gläubigen Betens, Schaffens und Lebens. Im Lichtschein der von himmlischer Herrlichkeit verklärten Freude steht also der Heimgang der verehrten Frl. Antonie. Der Direktor dieser Gebetsstätte, Dr. Rupert Gläser, sagte mir, am 9. Dezember nachmittags gegen 18.00 Uhr war auf dem Antlitz der sterbenden Antonie ein Lichtschein zu sehen. Ich meine, wir können ihn deuten als einen Widerschein der ungeheuren Freude, die Antonie Rädler empfand, als sie die Augen für diese Welt schloss und der seligsten Jungfrau Maria und ihrem Sohn, dem auferstandenen Erlöser begegnete und schließlich in die volle Lichtherrlichkeit des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes aufgenommen wurde, ein Heimgang im Lichtschein himmlischer Herrlichkeit. Wir müssen sie beneiden. Wir brauchen nicht trauern heute. Wir können gar nicht trauern. Der Heimgang von Antonie ist der Abschluss ihres langen Erdenweges. Antonie Rädler würde übermorgen, am 14. Dezember, das 92. Lebensjahr vollendet haben.

II. DER LEBENSWEG

Antonie Rädler ist am 14. Dezember 1899 in Wigratzbad ihren Eltern als viertes Kind geschenkt worden. Ihre Mutter hatte dringend um einen Buben gebetet, von dem sie hoffte, er werde einmal Priester werden. Als sie ein Mädchen gebar, war ihre Enttäuschung zunächst sehr groß. Sie konnte nicht ahnen, dass dieses vierte Kind, Antonie, später so viel für die Priester, für heilige, seeleneifrige Priester beten und Tausende und Abertausende von Menschen zum Gebet um gute Priester versammeln werde. Die Zuneigung zu ihrem Kind ist aber nach einem Unfall Antonie's auch bei der Mutter gewachsen. Und als ihre Tochter herangewachsen und von den Nationalsozialisten mehrmals verurteilt, ja dem Tode überliefert werden sollte, hat die gute Mutter Rädler dem lieben Gott versprochen: "Wenn meine Tochter Antonie den Nationalsozialismus überlebt, werde ich jeden Tag neun Rosenkränze beten." Antonie hat überlebt und die Mutter hat ihr Versprechen gehalten. Seit dem Ende des Krieges ist sie täglich um 3.00 Uhr morgens aufgestanden, um neun Rosenkränze zu beten, ehe sie um 6.00 Uhr zur Frühmesse ging und die Arbeit aufnahm.

Die Nazis mit ihrem Führer "wegbeten"

Ein Kind, das in der Gebetsatmosphäre einer gläubigen Familie heranwachsen durfte und das Vorbild einer so betenden Mutter und eines glaubensstarken Vaters vor Augen hatte, konnte nicht anders als eine große, gläubige Beterin werden. Schon in den reiferen Jugendjahren hat Antonie Mädchen um sich versammelt und mit ihnen eine marianische Kongregation aufgebaut. Sie hat mir selber erzählt, dass sie mit diesen Mädchen an den Sonntagen nachmittags in der Pfarrkirche in Wohmbrechts betete, um die nationalsozialistische Gewaltherrschaft mit ihrem Führer "wegzubeten", wie sie sagte. Das war ihr Einsatz für Freiheit und Frieden und für die Zukunft unseres Volkes und Vaterlandes. Und dieses Gebet war nicht vergebens.
Ihr Vater, der eine Metzgerei in Wigratzbad hatte, machte in der Stadt Lindau eine Metzgerfiliale auf, die Antonie führte. Antonie stand von morgens 8.00 Uhr bis abends im Laden. Nach Arbeitsschluss ging sie jeden Tag über die Lindauer Brücke in das Marienheim der Maria-Ward-Schwestern und betete dort bis tief in die Nacht hinein, ehe sie gegen 2.00 Uhr oder 3.00 Uhr morgens wieder zurückkehrte, die Hl. Messe besuchte und dann die Arbeit des Tages im Laden aufnahm.

Eine große Beterin.
Geheimnisvolle Rettung

Da trug sich 1936 etwas zu, was sie auch mir erzählt hat: Sie hatte in der Metzgerei an einem zentralen Ort ein Marienbild, die Dreimal Wunderbare Mutter von Schönstatt, angebracht. Eines Tages kam eine Staffel von SA-Leuten mit einem Hitlerbild unter dem Arm die Metzgerei und verlangte kategorisch die Entfernung des Marienbildes und das Anbringen des Hitlerbildes. Darüber kam es zu einem heftigen Streit in der Metzgerei. Antonie hat sich durchgesetzt, aber die Aufmerksamkeit der damaligen Machthaber auf sich gezogen. Einige Tage später wurde sie bei ihrem nächtlichen Heimgang von Unbekannten überfallen. Einer hatte einen Sack in der Hand, in den Antonie Rädler wohl gesteckt und im Bodensee ertränkt werden sollte. Da erschien ein Radfahrer, der, von einem geheimnisvollen Lichtschein umgeben, Antonie Rädler umkreiste und die Verfolger von ihr fernhielt, bis sie ihren Metzgerladen erreichte. Am nächsten Tag holte sie der Vater in Lindau ab und brachte sie heim. Er war nämlich von einem Münchner Beamten des Innenministeriums darauf aufmerksam gemacht worden, dass man seiner Tochter nach dem Leben trachte.

Der Engelsgesang an der Lourdesgrotte

Antonie errichtete auf dem elterlichen Grundstück eine Lourdesgrotte, die heute neben der Kapelle "Maria vom Sieg" steht. Immer mehr Beter kamen zu dieser Grotte. In der Oktav von Maria Empfängnis geschah es, dass Antonie in dieser Grotte einen Engelsgesang hörte. Es waren viele Chöre der Engel, die eine Art himmlischer Sinfonie bildeten und immer wieder die Worte sangen: "Unbefleckt empfangene Mutter vom Sieg, bitte für uns." Antonie, die nicht wusste, was das Erlebnis bedeuten sollte, suchte den alten, frommen, weisen Pfarrer Feil in Eglofs auf, um ihm das Erlebnis zu erzählen, Der kluge Seelsorger sagte ihr: "Antonie, geh nach Hause und bitte die Gottesmutter, sie möge dir ein Zeichen geben. Dann komm nach 10 Tagen wieder. Wenn bis dahin drei Wunder geschehen sind, kannst du sicher sein, dass es die Mutter Gottes war, die will, dass du diese Kirche erbaust." Schon auf dem Heimweg geschah das erste Wunder, die Heilung eines krebskranken Vaters, drei andere folgten in den nächsten Tagen.

Kapellenbau und Verhaftung

1938 errichtete Antonie die bekannte Kapelle, die den Titel erhielt: "Unsere Liebe Frau, die unbefleckte Mutter vom Sieg". Im selben Jahr wurde Antonie zum erstenmal verhaftet und in das berüchtigte Gefängnis "Katzenstadl' nach Augsburg gebracht. Dies war für sie eine schlimme Erfahrung: denn sie wusste nicht, dass es kriminelle Frauen und Mörderinnen gibt, die keinen Glauben hatten und nicht beten konnten. Am 7. Dezember 1938 war Antonie im Gefängnis sehr verzweifelt, aber der Himmel half ihr. Um die Mitternacht vom 7. auf den 8. Dezember trat die Hl. Jungfrau aus einer Lichtwolke heraus auf sie zu, tröstete sie und sagte ihr, sie würde noch vor Weihnachten freigelassen werden. Anschließend [ehrte sie ihr ein Gebet, das "Kindlein-Jesu-Gebet", das bis auf den heutigen Tag in der Adventszeit gebetet wird. Am 18. Dezember, am Fest Mariä Erwartung, wurde Antonie wider altes Erwarten aus dem Gefängnis entlassen.

Flucht vor der Gestapo

1940 sollte sie wiederum verhaftet werden; diesmal floh sie in den Bregenzer Wald und versteckte sich dort mehrere Jahre bei einer guten Familie, ständig von der Gestapo gesucht. Gegen Ende des Krieges bekam sie eines Tages so große Angst, dass sie ihr Versteck verließ. Noch am selben Tag umstellte die Gestapo das Haus, in dem sie geweilt hatte, suchte nach ihr, ohne sie zu finden. Antonie kam nach Wigratzbad zurück, wo sie der Vater in der Scheune versteckte, bis der Krieg zu Ende war. Öfters kam die Gestapo, fand sie aber nicht. Nach dem Krieg besetzten die Franzosen das Allgäu und beschossen auch Wigratzbad. Über 180 Granaten schlugen in der Nähe der Kapelle ein, die aber keinen Schaden erlitt. In den Nachkriegsjahren errichtete Antonie Rädler neben der Kapelle ein Sanatorium für krebskranke Menschen, das nach dem Tode des Arztes im Jahre 1982 aufgegeben werden musste und zu einem Pilgerheim wurde. Aus Dankbarkeit für ihre Rettung baute sie die größere Kapelle "Maria vom Sieg" In alt diesen Jahren hielt sie beharrlich die Sühnenächte in der Krypta und in der Kapelle, allwöchentlich in der Nacht vom Donnerstag auf den Freitag und jeden Samstag bis Mitternacht.

Hier ist der Finger Gottes am Werk

Nach meiner Ernennung zum Bischof im Jahre 1963 hat mich der damalige Dekan Josef Hirschvogel von Lindau darauf aufmerksam gemacht, dass hier in Wigratzbad etwas gutzumachen sei. Frl. Antonie Rädler sei verleumdet und grundlos bei meinem Vorgänger Bischof Freundorfer angeschuldigt worden. Daraufhin begab ich mich inkognito nach Wigratzbad, um zu sehen und zu hören, was dort geschieht und wie dort gebetet wird. Frl. Rädler, die mich bald erkannte, lud mich in ihr Haus ein. Dort blieb ich den ganzen Nachmittag, und sie erzählte ihre Geschichte. Ich erkannte, dass hier der Finger Gottes am Werk ist. Und ich gab die Erlaubnis, in der Kapelle Maria vom Sieg" die Liturgie zu feiern und zu beten, was mein Vorgänger, der falsch unterrichtet war, verboten hatte. Als die Kapelle "Maria vom Sieg" die vielen Beter nicht mehr fassen konnte, baute Frl. Rädler die Kirche, die ich im Jahre 1976 auf den Titel der heiligsten Herzen Jesu und Mariä geweiht habe. Anfang der achtziger Jahre wurde das Pilgerheim "Sankt Josef' erbaut, das im Jahre 1988 fertiggestellt wurde.

So sterben die Heiligen

Bald darauf ließen die Kräfte von Frl. Antonie Rädler nach, sie wurde bettlägerig und in den Letzten zwei Jahren aufopferungsvoll von unseren Schwestern, den Dienerinnen Christi, gepflegt. Dafür danken wir den Schwestern sehr herzlich. Schließlich kam ihr Ende. Sie konnte schon Lange nicht mehr sprechen, deshalb war es erstaunlich, dass sie in der vergangenen Woche plötzlich das Wort "Ende" zweimal aussprechen konnte. Es war am 7. Dezember. Darauf hat man am 7. oder 8. Dezember mit ihrem Ableben gerechnet; aber der Samstag und der zweite Adventssonntag vergingen. Am Montag, dem 9. Dezember, an dem wir, wie gesagt, das verschobene Fest der unbefleckten Empfängnis Mariens feierten, erschien gegen 16.00 Uhr plötzlich ein Lichtschein auf ihrem Gesicht, der dreimal zu sehen war, wie die Schwester, die sie pflegte, versicherte. Wenige Minuten danach verschied Antonie Rädler. So endete der Lebensweg der 92-jährigen im Lichte Gottes. Der Heimgang und der Lebensweg von Frl., Rädler sind etwas ganz Seltenes. So sterben die Heiligen. Was bleibt nun übrig von ihrem Lebenswerk?

III. DAS VERMÄCHTNIS

Ich meine, heute ein dreifaches Vermächtnis der Verstorbenen nennen zu dürfen:

1. Das Vorbild einer betenden Frau

Das Vorbild einer gottesfürchtigen, betenden, apostolisch tätigen Frau. Das Vorbild einer gläubigen Frau, die in der Liebe Christi gelebt und ausgeharrt hat. Das Vorbild einer begnadeten Frau, die von den ' Gesinnungen der heiligsten Herzen Jesu und Mariä erfüllt war. Das ist das erste, was bleibt. Das Vorbild einer gottesfürchtigen, betenden Frau. Wahrhaftig, sie war eine Beterin und hat die Menschen bewogen, mitzubeten. Wir hören ihre klare Stimme noch, wie sie die Menschen mitriss, bei Tag und bei Nacht, und ganze Nächte mit ihnen hindurch betete. Eine betende Frau, die auf die Hilfe der heiligsten Gottesmutter vertraut hat. Tausende Male hat sie gesprochen: "Unbefleckt empfangene Mutter vom Sieg, bitte für uns!" Die Gott Liebende, apostolisch tätige Frau war eine schlichte Frau aus dem Volke, eine Frau der Kirche. Sie hat für das geistliche Leben der Kirche mehr geleistet, als viele andere, die von der Emanzipation der Frau reden. Diese Frau Antonie Rädler hatte ihren Platz in der Kirche gefunden: ganz im Herzen Jesu, ganz im Herzen Gottes, ganz erfüllt von der Gesinnung der Mutter Gottes. So wurde sie zum Werkzeug Gottes für die Heilung der Menschen, für die Rettung dieser Wett. Was bleibt, ist also zuerst ihr Vorbild, das Vorbild einer gottesfürchtigen, betenden, apostolisch tätigen Frau.

2. Die Gebetsstätte Wigratzbad

Es bleibt die Gebetsstätte Wigratzbad. Was diese Gebetsstätte kennzeichnet ist das Charisma des immerwährenden Betens, des Rosenkranzgebetes insbesondere, der eucharistischen Anbetung des Herrn. Eine Stätte des Gebetes, die ihren Höhepunkt in der täglichen Feier der Eucharistie, ja der öfteren Feier der Eucharistie in den Gebetstagen und -nächten hat. Auch die eucharistischen Prozessionen möchte ich nennen. Hier lebt das Charisma des immerwährender) Gebetes. Das Charisma auch der stellvertretenden Sühne.
Das ist das besondere, das wir an anderen Gebetsstätten nicht so finden. Jesus Christus, unser einziger Mittler zwischen Gott und den Menschen hat durch seinen Tod und seine Auferstehung die Sünde der Wett gesühnt ein für allemal. Aber er hat uns, die Getauften dazu berufen, dass wir in seinem Namen seine Sühneleistung Gott dem himmlischen Vater darbieten für das Heil der Welt. Das wollte Frl. Antonie Rädler, das hat sie verstanden, das hat sie geübt. Antonie hat an der stellvertretenden Sühneleistung Jesu Christi teilgenommen. Daher wollte sie eine "Herz-Jesu- und Herz-Mariä-Sühnekirche bauen. Zur Sühne für die Sünden der Menschen von heute, insbesondere zur,'Sühne für die schrecklichen Verbrechen» die täglich begangen werden, zurSühne für die sich verbreitende Unsittlichkeit, zur Sühne für die Entheiligung des Sonntags, zur Sühne für die Rettung der Sünder. Das war ihr Apostolat. Für diese Menschen hat sie sich Tag und Nacht im Gebet eingesetzt. Diese Sühnekirche ist ausgestattet mit sechs Beichtstühlen. Viele Menschen kommen, um hierzu beten, viele bekehren sich, beichten und empfangen das große Geschenk des auferstandenen Erlösers, die Vergebung der Sünden, und kehren als österliche Menschen im Frieden Christi wieder heim.

3. Apostolat um heilige und seeleneifrige Priester

Das Charisma dieser Gebetsstätte des immerwährenden Gebets und der Sühne ist auch das Charisma des Gebetsapostolats um heilige und seeleneifrige Priester. Antonie hat mit frappierender Sicherheit vorhergesagt: "Hier wird ein Priesterseminar entstehen und es werden Seminaristen aus Rom kommen." Der Passionistenpater Johannes, der ihr zwanzig Jahre bis zu seinem Tod zur Seite stand, sagte mir bei meinem letzten Besuch kurz vor seinem Heimgang: "Sorgen Sie für heilige, seeleneifrige Priester!" Das war sein Vermächtnis, das Vermächtnis, das er von Antonie empfangen hatte. Was also bleibt, ist das Vorbild, das Antonie gegeben hat, die Gebetsstätte, die sie gebaut hat, und schließlich das Priesterseminar der St. Petrusbruderschaft, die im Jahre 1988 von Papst Johannes Paul II. errichtet worden ist. Als mir Direktor Dr. Rupert Gläser im August 1988 sagte, das Pilgerheim sei gerade fertig geworden, es könne sofort bezogen werden, habe ich dem Heiligen Vater über Kardinal Augustinus Mayer die Zusage gegeben: "Die Priesterbruderschaft St. Petrus kann in der Diözese Augsburg an der Gebetsstätte Wigratzbad Aufnahme finden." Und ich fügte hinzu, "dass ich keinen besseren Ort für sie wisse, als die Gebetsstätte Maria vom Sieg". Vom Himmel her werden Antonie Rädler und P. Johannes, der Hl. Petrus und die liebe Gottesmutter als Fürsprecher die Gnade des Heiligen Geistes erflehen, dass die Priesterbruderschaft St. Petrus in der Heiligen Kirche den Platz einnehme, der ihr durch den heiligen Willen Gottes bestimmt ist. "In allem soll Gott verherrlicht werden durch Jesus Christus" (1 Petr 4,11).

Liebe Brüder und Schwestern,
wenn wir bei diesem Begräbnisgottesdienst auf den Heimgang, den Lebensweg und das Lebenswerk von Antonie blicken, legen wir nun sie und ihr Vermächtnis getrost in Gottes Hände. Er gewähre uns, dass auch wir unser Leben im Lichte vollenden, in der Begegnung mit Unserer Lieben Frau, mit Jesus Christus und mit ihm, dem Heiligen Dreifaltigen Gott. Amen.

KIRCHE heute 11/99
Gebetsstätte Wigratzbad http://www.suehnenacht.de

Montag, 13. Dezember 2010

Die Muttergotteserscheinungen von Guadalupe 1531

Regisseur von „1531": „Die Botschaft von Guadalupe, auch heute eine Sensation"

Interview mit Regissieur Antonio Peláez

GUADALAJARA/Mexiko, 10. November 2010 (ZENIT.org). Es war eine Kinovorstellung der ganz besonderen Art, die letzte Woche in Guadalajara/Mexiko stattfand: Der Dokumentarfilm „1531 - eine Geschichte, die noch nicht zu Ende ist" basiert auf den historischen Ereignissen in Neu Spanien nach der Eroberung von 1521 und den Erscheinungen der Jungfrau von Guadalupe zehn Jahre später, im Jahre 1531.

Am 9. Dezember 1531 erschien am Stadtrand von Mexiko Stadt die Jungfrau und Gottesmutter Maria dem 57 Jahre alten Indio Juan Diego. Sie erteilte ihm den Auftrag, zu Bischof Zumárraga zu gehen und ihn aufzufordern, ihr zu Ehren am Erscheinungsort, auf dem Berg Tepeyac, eine Kirche erbauen. Hier werde sie allen, die sie vertrauensvoll anrufen, ihre Hilfe erweisen.

Der Bischof verlangte ein Zeichen, dass ihm schließlich gewährt wurde: Bei der vierten Erscheinung am 12. Dezember sammelte der 1990 selig und 2002 heilig gesprochene Juan Diego kastilische Rosen in seine Tilma (ein Poncho-Umhang). Als er sie vor dem Bischof ausschüttete, erschien auf dem groben, aus Agavenfasern gewirkten Stoff das Bild, das noch heute als die Darstellung der Jungfrau von Guadalupe verehrt wird.

Eine wissenschaftliche Erklärung für das Bild ist bis heute nicht gefunden worden. Der Stoff der Tilma wurde aus Agaven gewonnen, eine Pflanze, aus der auch Tequila destilliert wird. Normalerweise zerfällt ein solcher Stoff innerhalb von 20 Jahren. Es ist zudem ein wissenschaftliches Rätsel, woraus die Farben des Bildes gemacht sind und wie diese auf der groben Agaven-Faser haften können. 1979 vergrößerte ein Wissenschaftler mittels einer NASA-Ausrüstung mikroskopisch feine Ausschnitte der Iris und der Pupille des Muttergottes-Darstellung 2.500-fach: Die Sensation war perfekt. Insgesamt 13 Personen waren in Marias Augen zu sehen: ein sitzender Indio, Bischof Zumárraga und sein Dolmetscher Gonzalez, Juan Diego mit offener Tilma, eine Frau, ein bärtiger Spanier, sowie eine Indiogruppe mit Kind.

Das Bild selbst entspricht einem indianischen Kodex, das heißt, es besteht aus Zeichen: Maria steht in der Mitte des Mondes, also in Mexiko. Sie verdeckt die Sonne und damit die althergebrachte Religion der Azteken. Durch ihre Haltung drückt sie aus, dass sie nicht selbst Göttin ist, sondern Anbetende. Das schwarze Band um ihre Hüften bedeutet, dass sie schwanger ist. Über ihrem Bauch sieht man eine kleine vierblättrige Blume, das Zeichen der Azteken für Göttlichkeit. Maria ist also schwanger mit Gott.

Der Engel unterhalb des Mondes bedeutet zweierlei: Im europäischen Verständnis ist er ein Bote Gottes, im indianischen ein „Adler-Krieger", einer der bedeutendsten Kämpfer der Azteken. Er hält mit der einen Hand das Kleid, mit der anderen den Umhang. Dadurch wird er zum Mittler zwischen Himmel und Erde. Die Verzierungen des Kleides stellen Blumen dar und symbolisieren gleichzeitig das Tal, in dem Mexiko Stadt liegt. Die Konstellation der Sterne am Umhang entspricht nach neuesten Forschungen dem 21. Dezember 1531, der längsten Nacht, nach der die Tage wieder länger werden.

Für ZENIT/Observador sprach Jaime Septien mit dem Regisseur des Dokumentarfilms, Antonio Pelaez, der schon zahlreiche internationale Auszeichnungen erhalten hat. Sein erster Film, „Crystalstone", hatte als bester Film und bestes Erstlingswerk sieben internationale Auszeichnungen erhalten.

Was ist der Plot von „1531 - eine Geschichte, die noch nicht zu Ende ist"?

--Antonio Peláez: Gott kümmert sich um die Bedürfnisse seiner Kinder und handelt mit barmherzigem Blick, wenn die Natur für die Lösung der dramatischen Probleme der menschlichen Existenz nicht ausreicht. Ein Wunder ist immer ein von Gott angeordnetes, geplantes und produziertes Ereignis, das den Menschen zu helfen soll, seine ewige Bestimmung zu erhalten.

Vor den scheinbar unüberwindbaren Problemen der Evangelisierung Amerikas, war das Guadalupe-Ereignis eine Antwort der Liebe Gottes auf ein dramatisches, antagonistisches Bedürfnis zweier Völker, die sich - ohne jegliche Hoffnung auf eine Lösung - weder akzeptieren noch verstehen konnten, die ihre Augen jedoch auf Gott gerichtet hielten.

1531 versucht die Botschaft von Hoffnung und Erlösung weiterzugeben, die Gott mit Hilfe seiner Mutter, der Jungfrau von Guadalupe, all seinen Kinder zuteilwerden lassen will, eine Botschaft, die den Menschen würdigt und auffordert, keine Angst vor Tod, Schmerz oder Krankheit zu haben.

Ist die Theologie des „Guadalupe-Ereignisses" etwas, das sich mit der Zeit noch entfaltet?

--Antonio Peláez: Wir wollen einfach etwas erzählen, was sich ereignet hat. Wenn sich die Menschen fragen, ob all das wirklich geschehen ist, dann kann ihr Leben nicht mehr genauso weitergehen, wie zuvor.

Es gibt historische Ereignisse, Menschen und Dinge, die geschehen und in der Vergangenheit bleiben, so wie die Entdeckung Amerikas oder des Falls von Hernán Cortés; beide haben die die Geschichte der Welt verändert, aber unsere Geschichte ändern sie nicht. Jesus Christus und die Jungfrau von Guadalupe vollzogen nicht nur einen Wandel in der Weltgeschichte, sondern auch in der Geschichte des Menschen und in unserer eigenen Geschichte.

Die Botschaft von Guadalupe ist eine Botschaft, die verpflichtet, die hinterfragt, weil sie von Transzendenz spricht und uns sagt, dass unsere Zukunft davon abhängen wird, was wir tun oder was wir sein lassen. Die Botschaft von Guadalupe zu kennen, wird uns ermöglichen, unsere eigenen Erfahrungen mit Gott zu machen, eine Erfahrung, in der seine Mutter jedem von uns anbietet, unsere eigene Geschichte zu schreiben, und deshalb ist "1531" eine Geschichte, die noch nicht fertig geschrieben ist.

Wie erreicht das Ereignis von Guadalupe den Zuschauer?

--Antonio Peláez: Damit die Menschen die Botschaft von „1531" begreifen, reicht es nicht aus, die Dinge anzusprechen: Wir müssen über die Vernunft hinausgehen, das heißt, wir dürfen nicht nur Fakten aus wissenschaftlicher Sicht präsentieren, unerklärliche Dinge zeigen, die unseren Verstand Rätsel aufgeben, sondern wir müssen die Herzen erreichen.

Wer den Film auf sich wirken lässt, merkt wie die Anthropologie der Indios, das Nahuatl Konzept des "in ixtli in yólotl" : Antlitz -Herz, Verstand - Herz hier filmisch angewendet wird.

--Antonio Peláez: Vernunft und Herz, das passt perfekt zusammen, um die Botschaft von Guadalupe mit Tiefe und in all ihren Dimensionen weiterzugeben.

Das Mantel-Wunder, das Abbild der Jungfrau auf Tuchfasern geschah in einem Mexiko, das erst kurz zuvor durch die bewaffnete Eroberung der Hauptstadt Tenochtitlan durch die Spanier traumatisiert worden war...

--Antonio Peláez: Als Gott feststellte, dass die Menschen ihn durch sein Wort allein nicht verstanden, wurde er einer von uns. So vollzog sich die erste Inkulturation, das heißt, Gott ist Mensch geworden, damit die Menschen ihn verstehen können.

Aus meiner Sicht, erfolgte eine weitere Inkulturation, als Jesus durch seine Mutter diesmal nicht in Bethlehem, sondern in Mexiko erneut ans Licht der Welt kam. In der Heilsgeschichte bedeutet das einen weiteren Meilenstein. Dieser neue Pakt [der mit der Erscheinung der Jungfrau von Guadalupe besiegelt worden ist] richtet sich ebenso wie der Erste, nicht nur an Israelis oder Mexikaner, sondern an die ganze Menschheit. Jedoch geschieht die engste und größte Inkulturation Gottes mit dem Menschen auf besondere Weise in der Eucharistie, in der er jedem von uns die Möglichkeit gibt, eine persönliche und innige Erfahrung mit Ihm machen.

Welche technischen Hürden mussten bei dieser historischen Dokumentation genommen werden?

--Antonio Peláez: Nun, von den historischen Ereignissen hört man aus dem Mund der Hauptakteure. Ihre Erzählungen stellen eine direkte und andere Vermittlungsform dar, die es erlaubt, diese Geschichte kennenzulernen.

Die Herausforderung bestand eigentlich darin, zu erreichen, dass die Schauspieler die Aufmerksamkeit der Zuschauer mit ihren Monologen, die ja voller Informationen sind, fesseln. Die Inhalte sind ja derartig miteinander verwoben, dass sie eine einzige Geschichte bilden. So rollt die Geschichte von dem, was wirklich passiert ist vor uns ab. Wir kennen ja jede der einzelnen historischen Gestalten der Zeit, weil sie alle im Bericht über die Ereignisse in der „Nican Mopohua" dokumentiert sind.

Unter www.1531.mx können Sie Informationen über die DVD erhalten.

[Übersetzung aus dem Spanischen von Susanne Czupy]

Quelle: ZENIT.ORG, ZG10121003 - 10.12.2010. Permalink: http://www.zenit.org/article-22058?l=german

Samstag, 11. Dezember 2010

Our Lady of Good Help - Diocese of Green Bay - Wisconsine USA



On Oct. 9, 1859, Adele Brice, a young Belgian woman said the Blessed Virgin Mary appeared to her at Champion in Brown County, northeast of Green Bay. She said Mary asked her to teach religion to children. Soon, her father built a chapel on the site and Adele started a school and a community of women to teach in it.

When the Peshtigo fire spread across Green Bay on Oct. 8, 1871, area residents walked around the chapel grounds all night praying the rosary and carrying a statue of Mary. Everything outside that five-acre area was burned.
Every year on Oct. 8 people reenact the procession at the Shrine. There is also a large procession and outdoor Mass on Aug. 15, the feast of the Assumption of Mary into heaven.

See also: http://poschenker.amplify.com/tag/adele-brise/

Montag, 25. Januar 2010

Ave Maria - Choral-Version



Ave Maria recorded in the great romanesque church of the Abbey of Santo Domingo de Silos, the acoustic ambiance is perfectly suited to the sung prayer and the exceeding quality of their beautiful art.

Samstag, 25. Juli 2009

Mutter Anna und ihre Erscheinungen in Sainte-Anne d'Auray

Aus: "DAS ZEICHEN MARIENS" Oktober 1972:

Am vergangenen 26. Juli wurde überall das Fest der hl. Anna und des hl. Joachim gefeiert, der vorbildlichen Eltern der Heiligsten Jungfrau Maria. Im Zusammenhang damit möchte ich in
wenigen Zügen die wunderbare Geschichte der Erscheinungen der hl. Mutter Anna in der Bretagne in der Landebene von Auray vor beinahe 350 Jahren nachzeichnen.

Der Seher: Yves Nicolazic, 40jährig, Pächter. Seit 12 Jahren verheiratet, ohne Kinder, bewohnt den winzigen Weiler Ker-Anna. Er ist für seine Frömmigkeit, seine Redlichkeit und seinen Arbeitsfleiß bekannt. Er lebt übrigens wie ein Ordensmann. Jeden Abend, nach getaner Arbeit, begibt er sich zum Bocenno, um dort zu meditieren oder meistens, um seinen Rosenkranz zu beten. Le Bocenno ist ein Feld seines Pachtlandes, wo, wie man sagt, vor langer Zeit eine Kapelle zu Ehren der hl. Anna errichtet worden war. Es existieren tatsächlich noch einige sehr alte Steine an dem vermuteten Ort, sowie ein Ablass-Kreuz (une croix de pardon) 1200 Meter von da entfernt. Jedenfalls hält sich seit mehreren Generationen das Gerücht, daß man eines Tages an ebendiesem Ort eine neue Kapelle bauen werde.
Nun, in einer Sommernacht, wir befinden uns im Jahre 1623, fährt Yves Nicolazic mit einem Satz aus dem Schlafe auf, indem er an die hl. Anna denkt. Plötzlich erhellt sich sein Zimmer. Dieses Licht scheint von einer angezündeten Kerze zu stammen, die gehalten wird von einer gut sichtbaren Hand. Aber das Übrige des Körpers ist nicht sichtbar. Nicolazic fühlt sich ganz und gar nicht sicher; er glaubt, sich in Gegenwart einer Seele des Fegfeuers zu befinden und betet zu ihren Gunsten 2 Pater und 2 Ave. Alles verschwindet. Sechs Wochen später dasselbe Phänomen, diesmal jedoch auf dem Feld Le Bocenno, wo Nicolazic hinging, um bei Einbruch der Nacht zu beten. Ein kleiner Unterschied: die Hand ist nicht sichtbar wie das letzte Mal, und einzig eine brennende Kerze, deren gerade Flamme vom Winde nicht bewegt wird, erscheint bei ihm, schwebend im Raum.
Von diesem Abend an und während langer Monate noch wird Nicolazic erst nach Einbruch der Nacht nach Hause gehen, angeführt von einer geheimnisvollen Hand, die eine brennende Kerze trägt, deren Flamme eine große Helligkeit abgibt. Dieses außergewöhnliche Licht wird zweimal von Herrn Le Roux, seinem Schwager, wahrgenommen, der nicht verfehlen wird, sein Erstaunen auszudrücken. Aber Nicolazic weiß darüber nicht mehr als er. Übrigens gibt es da eine Sache, die sich unser Seher auf keinerlei Weise erklären kann: es ist die unaussprechliche Freude, die sein Herz während des Phänomens erfüllt. Tatsächlich bleibt er überzeugt, dass er es mit einer Armen Seele zu tun hat. (Er dachte an jene seiner eigenen Mutter, die vor drei Jahren gestorben war.)
Nun, eines Tages, während Herr Le Roux und er selber zusammen bei ihrer Herde am Brunnen von Le Bocenno waren, sehen sie über dem Felde eine Frau erscheinen, angetan mit einem weißen Kleid leuchtender als der Schnee, mit ernstem und zärtlichem Ausdruck zugleich. Sie schwebt im Raume, unbeweglich, dem Brunnen zugewandt. Ihre Füße ruhen auf einer Wolke und ihr mildes und heiteres Gesicht ist von einem Leuchten umgeben, das das ganze Feld bis zum Horizont erhellt. Diese Erscheinung hatte die überstürzte Flucht unserer beiden Seher zur Folge, die, als sie sich wieder gefasst hatten und zur verlassenen Stelle zurückgekehrt waren, nichts mehr sahen. Einige Tage später, am 25. Juli 1624 genau, (am Vorabend des Festes der hl. Anna) als Nicolazic nach hereingebrochener Nacht wie gewohnt nach Hause zurückkehrte, geht er an dem Kalvarien-Mal (ein aus Stein gebildetes hohes Wegkreuz auf einem Sockel, mit am Kreuzesstamm befestigten abstehenden Figuren der Mut-
tergottes und des hl. Johannes) vorüber, entblößt sein Haupt und schlägt ein Kreuzzeichen. Plötzlich ist die Frau da, ganz nah bei ihm.
„Nicolazic!" Mit einer Handbewegung beruhigt sie ihn und lädt ihn ein, ihr zu folgen. Ihre Füße sind eingetaucht in eine Wolke, die sich gen Ker-Anna zu bewegt, und Nicolazic folgt. Die Frau hält in ihrer Hand immer noch eine Fackel (große Kerze), die das ganze Feld erhellt. Wird sie endlich ihre Identität verraten? Nein; angekommen beim Pachtgut des Sehers, verschwindet sie. Nun ist es des Guten zuviel für unseren armen Nicolazic. Er lässt seine Frau alleine essen; er, er hat Hunger und Durst nach einer anderen Nahrung. Er sondert sich ab in die Kornscheune und fleht zum Himmel. Was will man von ihm? Als ganze Antwort: ein unglaublicher Lärm von Schritten, von Tausenden von Schritten, wie jene einer Menschenmenge im Marsch. Er öffnet die Türe, nichts. Darauf sinkt Nicolazic zusammen. Eine schreckliche Angst überfällt ihn; ist er normal, ist er nicht im Begriffe, verrückt zu werden? Es bleibt ihm nichts mehr, als sich an seinen Rosenkranz zu klammern; er ist seine einzige rettende Planke, und das Vertrauen kehrt zurück, zur gleichen Zeit, da er eine große Liebe zur Erscheinung verspürt. Plötzlich ist sie da, bei ihm, in der Scheune, und die Korngarben widerstrahlen im Lichte. Dann — langsam und zum ersten Mal, spricht sie so:
„Nicolazic, fürchte dich nicht. Ich bin Anna, die Mutter Mariens. Sag deinem Rektor, dass auf dem Landstück namens Le Bocenno einst vor jedem Dorf eine Kapelle stand, die meinem Namen geweiht war, die erste, die die Einwohner der Bretagne zu meiner Ehre erbaut hatten. Es sind nunmehr 924 Jahre und 6 Monate, dass sie zerfallen ist. Ich wünsche, dass sie so bald wie möglich wieder aufgebaut werde und dass du dafür sorgst. Gott will, daß ich da verehrt werde".
Und unser guter Nicolazic, nunmehr beruhigt, getröstet, glückerfüllt, das Herz voller Liebe, die Seele trunken von Wonne, schläft ein wie ein Kind.
Was geschieht alsdann? Sie können es sich vorstellen, wenn Sie die prächtige Basilika je gesehen haben, die jetzt die Landebene von Auray beherrscht. Ein enormer Liebeselan der ganzen bretagnischen Bevölkerung hat diese majestätische Wohnung aus dem Erdboden heraussteigen lassen, die würdig ist der Mutter Mariens. Ihrerseits ließ die hl. Anna nicht auf sich warten, den Zweck ihres Besuches an diesen Örtlichkeiten zu offenbaren. Sie brachte den Seelen die Vergebung Unseres Herrn. War sie nicht die Mutter der Mutter der Barmherzigkeit? Ihr war daran gelegen, es sogleich zu beweisen. Da die Pilger zu ihr beteten, um die Bekehrung des Rektors von Pluneret zu erlangen, der sie verfolgte, erachtete die hl. Anna den Augenblick für günstig, ihre Macht und ihre Güte zu zeigen. Hier, was nun geschah: Eines Morgens erfuhr der Rektor von Pluneret, ein rauher Mann aber aufrichtig, leider schlecht informiert über was genau geschehen war, dass sich eine Wallfahrt zum Bocenno organisiere und dass die gläubigen Verehrer der hl. Anna vor einer Statue der Heiligen beten und Opfergaben zu ihren Füßen niederlegen. Da er dies nicht weiter dulden konnte, entsendete er sogleich seinen Vikar, um diesen schändlichen Betrug zu stoppen. Dieser letztere kommt wütend am Orte der Erscheinungen an, nimmt die Statue der hl. Anna und wirft sie in den Graben und versetzt schließlich dem Schemel, auf dem ein Teller stand, der dazu diente, die Gaben aufzunehmen, einen Fußtritt. Zwei Wochen später erlitt der arme Rektor einen mysteriösen nächtlichen Angriff, der ihm zwei gelähmte Arme kostete. Sie hingen ihm elendiglich auf beiden Seiten herunter. Er versuchte sämtliche Medikamente; nichts nützte. Einer seiner Priesterfreunde sprach im Spaß von den Heilungen, die sich beim Brunnen Le Bocenno ereignen würden. Der Rektor zuckte mit den Achseln, wurde heftig und wütete sehr. Aber einige Tage später, in einer sehr dunklen Nacht, ging er hin, indem er wohl darauf achtete, dass es niemand erfahre. Hätte er sich schließlich doch getäuscht? Das kann jedermann passieren.
Beim Brunnen gelang es ihm nicht, allein seine Arme ins Wasser zu tauchen. Er hätte einer Hilfe bedurft; aber davon konnte nicht die Rede sein, jemand zu rufen. So bescheidete er sich damit, zu beten. Ebenso tat er am folgenden Tag und dies während 8 Tagen, denn er war starrköpfig. Sein Gebet rührte die hl. Anna, die ihm die Kraft gab, auf seine Eigenliebe zu treten. Am achten Tag kam er zurück zum Bocenno mit einem Bekannten, der ihm half, sich zu entkleiden und seine gelähmten Arme in das Wasser des Brunnens zu tauchen. In diesem selben Augenblick fanden sie ihre vollen Kräfte wieder.
Unser Rektor, höchst erstaunt ob seiner plötzlichen und vollständigen Heilung, aufs höchste bewegt, fühlte sein Herz zerfließen vor Liebe und Dankbarkeit zu Jener, die ihm so völlig verzieh. Er leistete öffentliche Abbitte, zu Füßen der Statue, vor allen Pilgern. Sehr mitgenommen bat er um die Gunst, die erste Messe lesen zu dürfen, die an diesem Orte gefeiert würde, und um der Kapelle zu einer schnellen Erbauung zu verhelfen, die er großartig wünschte, verzichtete er auf alle seine Rechte auf die Spenden, von welchen ein Drittel ihm von Amts wegen gehörte.
Wir sehen, dass Gott sich stets rühren lässt von einem Akt der Demut, vor allem, wenn das verlorene Kind eines seiner bevorzugten Söhne ist.
0livier
(Le Sourire de Marie, 2, 1972)
Aus dem Französischen übersetzt von Paul O. Schenker

Siehe auch:

Sonntag, 28. Juni 2009

Maria Himmelfahrt - Visionen der Therese Neumann, Konnersreuth

Aufgezeichnet von Dr. Johannes Steiner

Vorbemerkung: Die nachstehenden Aufzeichnungen gehen auf Beobachtungen und Befragungen der Therese Neumann in ihrem Zimmer im Elternhause, zu Konnersreuth während und nach den Visionen am 15. August 1947 zurück. Die Aufzeichnungen wurden im September 1950 H.H. Pfarrer Joseph Naber und Therese Neumann vorgelesen und von beiden in manchen Punkten ergänzt und berichtigt, wofür ihnen herzlich gedankt sei. Die Darstellung gründet sich, namentlich im Vorbericht, auch auf andere Visionen zu anderen Festen des Kirchenjahres und zieht auch die Aufzeichnungen von Dr. Fritz Gerlich vom 15. August 1928 (Gerlich, Therese Neumann, Seite 262/3) heran. Im Gehorsam gegen die Dekrete des Papstes Urban VIII. wird für diese nachfolgenden Ausführungen keine andere als rein menschliche Glaubwürdigkeit beansprucht.

AssumptionMaria hatte nach der Himmelfahrt Jesu Christi ein paar Jahre beim hl. Johannes in Jerusalem verbracht, der dort und in der Umgebung wirkte. Dann zogen sie miteinander nach Ephesus. Nach einigen Jahren, in denen sich dort die Urkirche ausbreitete, erhielten sie ein schönes Haus, einige hundert Meter südwestlich der Stadt, geschenkt, das sie fortan während einer Reihe von Jahren bewohnten.*
* Diese Darstellung widerspricht wohl der vom hl. Epiphanias (gestorben 403) ausgesprochenen und seit dieser Zeit in der kirchlichen Tradition feststellbaren Meinung, Maria hätte Palästina nach dem Tode Jesu nie verlassen. Aber warum sollte sie sich, die doch durch ihren sterbenden Sohn dem hl. Johannes als Mutter gegeben worden war und von diesem mit größter Verehrung und innigem Dank als solche angenommen wurde, wieder von ihm getrennt haben? Und warum man den Aufenthalt des hl. Johannes in Ephesus erst auf die Zeit nach dem Tode Mariens verlegen sollte, ist nach bisheriger Quellenforschung wohl kaum zu beweisen. Jedenfalls ist es unsere Chronistenpflicht, die Visionen der Therese Neumann, so wie sie sich durch Beobachtung und Befragung darstellen, genau aufzuzeichnen und sie dem späteren Urteile der Kirche zu überlassen.
Maria empfängt nun eine Offenbarung, dass sie nicht mehr lange leben werde und spricht deshalb den Wunsch nach einer Reise nach Jerusalem aus, um dort nochmals die Wirkens- und Leidensstätten ihres Sohnes zu sehen und zu verehren. Der heilige Johannes geht mit Freuden auf diesen Wunsch ein und begleitet sie auf die Reise. In Jerusalem treffen sie überraschend auch die anderen Apostel an. Sie waren alle dort zusammengekommen. Vielleicht hatten sie sich, doch das ist nur Vermutung, nicht Vision, soweit sie in und um Jerusalem wirkten, durch Botschaften zu dem Apostel-Konzil, das etwa im Jahre 49 oder 50 stattfand, zusammenbestellt, vielleicht auch waren die in weiter entfernten Gegenden Wirkenden gleichfalls wie Maria und Johannes auf Antrieb des Heiligen Geistes nach Jerusalem gereist. Pfarrer Naber meint, der Heiland hätte wohl in seiner Güte die Gelegenheit dieser Zusammenkunft dazu benutzt, den Aposteln die Möglichkeit zu geben, die Mutter nochmals zu sehen und ihren Tod und ihre Auszeichnung vor allen anderen Menschen mitzuerleben.

Erste Vision: Therese sieht Maria und die Apostel in einem Saale versammelt, den sie von früheren Visionen her kennt: Es ist der Nebenraum des Abendmahlsaales, in dem seinerzeit die heiligen Frauen während des Abendmahles beisammen waren und sich im Gebet auf das Passah-Fest vorbereiteten. Die Apostel sind viel älter geworden, aber Therese erkennt sie alle. Sie vermisst Jakobus (der durch Herodes etwa im Jahre 44 bereits enthauptet worden war; d. Verf.) und Thomas. Dagegen befindet sich bei ihnen auch der temperamentvolle hl. Paulus, den Therese auch von anderen Visionen her kennt, und ein weiterer Mann, den die Apostel als ihresgleichen behandeln, den sie aber nicht kennt und in keiner anderen Vision gesehen hat. Nach Meinung von Pfarrer Naber dürfte dies der hl. Barnabas gewesen sein (vgl. Apg. 9, 27; 11, 22-30; 13, 1-2; 15). Die Apostel sitzen, oder besser gesagt liegen, so wie es damals üblich war, unmittelbar um Maria herum. Sie ruhen auf gepolsterten Möbelstücken, die nach einer Seite schräg aufwärts eine Lehne haben, aber keine Rücklehne. Auch noch andere von den früheren Jüngern und andere unbekannte Männer und Frauen bemerkt Therese, "aber die saßen mehr außen herum". Von den Frauen war ihr keine bekannt. In der Apostelreihe saßen keine Frauen.
Sie reden nun von Jesus und während Maria von Sehnsucht und größter Liebe zu ihm bewegt wird, wird sie plötzlich ganz schwach und blass und sinkt zurück. Der hl. Johannes fängt sie auf und sie stirbt, den Kopf an die Brust dieses ihres "zweiten Sohnes" gelehnt, in seinen Armen. Im selben Augenblick sieht Therese ihre Seele als lebendigen, aber unkörperlichen Lichtstrahl dem Körper entsteigen. Es erscheint, mit lächelndem Blick, in hellstem Lichte, der Heiland, der die Seele in Empfang nimmt, worauf die Lichtgestalten ihrem Blicke wieder entschwinden. Die Apostel stehen traurig um den entseelten Leichnam. Johannes schießt ihr die Augen und den Mund und küsst sie auf die Stirne, die rechte Wange und den Mund, was dann auch die übrigen Apostel und die Frauen tun. Therese nimmt an der Trauer lebhaften Anteil und es kommen ihr während der Vision die Tränen über die Wangen. Während sie nachher im Zustand der Eingenommenheit das erzählt, gerät sie wieder in den Zustand der Schauung, es folgt die zweite Vision, die Beisetzung des Leichnams.

Zweite Vision: Der Leichnam wurde von Frauen zur Beisetzung hergerichtet, gesalbt und mit Binden umwickelt, wobei scharf riechende Kräuter mit eingebunden wurden. Petrus und Jakobus (d. J.) gehen hinaus in das Tal des Baches Cedron und sehen sich nach dem Grabe um, in das Mariens Leichnam gebracht werden soll. Es ist in den aus dem Tal ansteigenden Felsen geschlagen, und zwar so, dass sein Eingang nicht senkrecht (wie beim Grabe Christi), nicht waagrecht (wie beim Grab des Lazarus), sondern schräg liegend zugehauen ist. Man steigt dann erst ein paar Stufen hinab (bei Lazarus viel mehr, bei Christus keine), dann geht die Grabkammer in einen waagrechten Stollen über. Das Grab hat keinen Vorraum, wie das des Heilands, sondern nur eine über dem Eingang liegende, schiefe Türe. Noch am selben Tage, einem Samstag, wird der Leichnam dort beigesetzt und das Grab versiegelt. Die Angabe "Samstag" stammt nicht aus dem Erfahrungs- und Schauungsbereiche der Therese, sondern wurde auf Befragen im erhobenen Ruhezustande (der nach jeder hl. Kommunion, aber auch sonst bei bestimmten Anlässen auftritt) gemacht.*
* Es ist hier leider nicht Raum und Anlass, auf die verschiedenen Zustandsformen der Therese Neumann einzughen. Wer sich dafür oder für die Lebensgeschichte der Therese Neumann, für ihre sonstigen Visionen und überhaupt für die Geschehnisse in Konnersreuth interessiert, möge sich beim Verlag Schnell & Steiner, München, auf das Buch "Therese Neumann" von Dr. Fritz Gerlich vormerken lassen...
Auch die bei den weiteren Visionen gemachten Wochentagsangaben gehen auf diese Quelle zurück. Der Tod Mariens war am selben Tage, aber ziemlich früh am Morgen erfolgt. Die morgendliche Zeit erkennt Therese während der Schauung aus dem Sonnenstand und dem Strahleneinfall, da sie diesen Saal ja auch zu anderen Tageszeiten (Abendmahl) gesehen hatte.

Die folgende dritte Vision ist die schönste und ergreifendste, die Hauptvision des Mariä-Himmelfahrts-Festes. Therese sieht sich vor das Grab Mariens versetzt. Es ist früher Morgen (Sonntag); niemand weit und breit zu sehen. Plötzlich kommt Licht von oben: zwei Engel schweben mit der Seele Mariens herab. Therese erkennt den einen: es ist der Verkündigungsengel Gabriel, den anderen kennt sie nicht (nach Angabe im erhobenen Ruhezustande ist es der Schutzengel Mariens gewesen). Die drei Lichtgestalten schweben, ohne durch die verschlossene Tür irgendwie behindert zu sein, in das Grab hinein. Sie kommen sofort wieder, aber Maria ist nicht mehr ein durchsichtiger Lichtstrahl, sondern kommt mit ihrem nun wieder lebendigen, verklärten Leibe heraus, strahlend und mit einem Gewande aus Licht umkleidet. Es ist nicht zu beschreiben; am nächsten kommt man, wenn man sagt, es glänzt wie frischer Schnee in der Sonne. Doch sagt das noch viel zu wenig. Der Kopf und die Hände sind frei, auch die Füße sind ein klein wenig zu sehen. Die Herrlichkeit und die Freude der Erscheinung teilt sich auch der Seherin mit und auch die Anwesenden können in etwa daran teilnehmen, da sie ein wie sonst nie zu beobachtendes, strahlendes, menschliches Antlitz sehen dürfen. Die Engel führen Maria, sie unter dem Arme stützend, die andere Hand am Rücken, und tragen sie in die Höhe. Dieses Tragen ist jedoch sicher mehr als Ehre denn als Notwendigkeit anzusehen, denn irgend eine Schwere befindet sich offensichtlich nicht mehr am Leibe Mariens (der ja auch durch die geschlossene Türe des Grabes herauskam). Der Blick Theresens folgt den Gestalten, plötzlich steigert sich der Freudenausdruck in ihrem Angesicht bis zur höchsten Möglichkeit. Es erscheint von oben her Christus in unerhörtem Glanze mit dem himmlischen Hofe: ungezählten Engeln und Heiligen. Der Heiland schwebt Maria entgegen, neben ihm, unkörperlich, aber zu erkennen, der hl. Joseph. Beim Zusammentreffen übernimmt er dann mit dem hl. Joseph an Stelle der Engel selbst die weitere Begleitung, um sie, bei deren Fiat sich Himmel und Erde vermählten, nun unter dem Jubel der seligen Scharen als Königin des Himmels und der Erde aufzunehmen und zur Krönung zu führen.

In einer bei den sonstigen Visionen bei weitem nicht in diesem Ausmaß zu beobachtenden Bewegung nimmt Therese Anteil an diesem herrlichsten und freudigsten Geschehen im Leben Jesu und Mariens. Sie ruft "mit, mit" und streckt den emporschwebenden Gestalten die Hände nach, sich auf die äußersten Spitzen der Zehen erhebend, sodass man unwillkürlich schaut, ob sie denn noch auf dem Boden stünde. In der Tat wird durch eine Reihe von absolut glaubwürdigen Zeugen, darunter mehrere geistliche Herren, ausgesagt, dass sie, als sie sich bei dieser Vision im Jahre 1938 im Steyler Kloster in Tirschenreuth befand, ein Stück mit emporgenommen worden sei und einige Zeit in der Luft geschwebt habe. Am 24.9.1950 traf ich in Konnersreuth einen Augenzeugen dieses Vorfalles, einen Herrn aus Hildesheim, der sich für die Wahrheit verbürgte. Therese sei etwa 15-20 cm vom Fußboden erhöht gewesen und habe in diesem freischwebenden Zustand eine Zeit lang verharrt. Ich selbst habe im Jahre 1947 einen Abstand vom Boden nicht beobachten können.
Ein anderes Begebnis muss im Zusammenhang mit dieser Vision erzählt werden: Am 7. Juli 1940 hatte Therese nach der Rückkehr von der Primizfeier des Konvertiten-Priesters Paul Lütten - früher evangelisch, Tanzlehrer in Hamburg - nach Eichstätt einen Schlaganfall erlitten (linkshirniger Schlaganfall in 3 Schüben am 7., 10, und 13.7. - Blutung in die innere Kapsel -, der die ganze rechte Körperseite lähmte. Lt. Testat des betreuenden Münchner Arztes Dr. M.J. Das rechte Bein war gelähmt, der Arm hing herab, das rechte Auge konnte nicht mit dem linken mitgehen, sondern stand immer geradeaus, was Schielen und starke Erschwerung des Sehens mit sich brachte, der rechte Mundwinkel hing unbeweglich herab, die Zunge war behindert, sodass sie nur schwer verständlich lallen konnte. Neun Tage hatte sie mehr oder weniger bewusstlos dahingedämmert. Bei der Vision am Mariä Himmelfahrtstage 1940 geschah nun nach Theresens eigenen Worten folgendes:
"Als die Mutter mit den Engeln dem Grabe entschwebt war, lächelte sie mich an, schwebte auf mich zu und hielt ihre rechte Hand links über meinen Kopf. Da ging's, obwohl ich sonst während der Vision von außen her nichts spüre, von da aus wie ein ganz starker elektrischer Schlag nach rechts in den Körper. Ich erhob meine Hand, um die Hand der Mutter zu ergreifen." Pfarrer Naber erzählt dazu: "Für uns alle war es rührend zu sehen, wie sie während der Vision plötzlich zusammenzuckte und sofort freudig mit dem bisher gelähmten rechten Arm gegen die linke Kopfseite griff. Auch der Mundwinkel stellte sich sofort wieder gerade und sie konnte hernach völlig normal sprechen. Das Auge bewegte sich während der weiteren Vision mit, sie konnte aufstehen und gehen. Wir hatten alle eine überhaus große Freude." Nach den Visionen ist Therese sofort ohne Führung in die Kirche gegangen.
Dieser Vorfall wurde mir auch - in persönlicher Rücksprache - durch den Arzt bestätigt, der den Schlaganfall unmittelbar nach dem Eintritte elf Tage lang sorgfältig, aber in Bezug auf die Lähmungen vergeblich, behandelt hatte und der auch bei dieser plötzlichen Heilung zugegen war. Es waren auch noch weitere Zeugen anwesend, auch Geistliche, darunter der jetzige Regensburger Domprediger, der dem Verfasser selbst schon diesen Vorfall erzählt hatte.
Ich habe es für meine Pflicht gehalten, auch diese die großen Visionen von Mariä Himmelfahrt begleitenden äußeren Geschehnisse, durch die ja das Geschaute nur erhärtet werden kann, dem Leser nicht vorzuenthalten.

Die Visionen sind mit der dritten Schauung noch nicht abgeschlossen. Mitten in den Freudenkundgebungen über das eben Erlebte richtete sich Therese plötzlich wieder empor. Ihre Hände fahren bis in etwa Schulterhöhe und sie sieht folgende vierte Schauung:

Der beim Tode Mariens noch fehlende Apostel Thomas ist inzwischen auch noch in Jerusalem eingetroffen (Montag). Er ist betrübt, dass er zu spät kam und will die Muttergottes wenigstens im Grabe noch einmal sehen. Es vereinbaren deshalb alle Apostel, nochmals gemeinsam zum Grab zu gehen. Therese sieht das, sieht sie kommen und das unverletzte Siegel prüfen (Dienstag früh). Erstaunt blicken sie sich dann nach Entsiegelung und Öffnung der Türe im Grabe um. Sie finden nichts mehr außer einem: Die Binden, in die Maria gewickelt gewesen war, liegen noch auf ihrem Platze und zwar genau so, wie wenn sie noch einen Leichnam einschlössen. Therese, lächelnd, nimmt den Zeigefinger und tupft zweimal nach unten. Sie hat es, wie sie hernach im Zustande der Eingenommenheit erzählte, einem der Apostel nachgemacht, der mit seinem Zeigefinger die noch gewickelt stehenden Binden an zwei Stellen niedergetupft hat, um den anderen gewissermaßen darzutun, dass nirgends mehr etwas drinnen sei. Die Binden waren wohl durch die Salben verklebt und auch durch die miteingewickelten Kräuter gestützt, sodass sie ohne äußere Einwirkung nicht zusammenfielen; das Entsteigen des Leibes Mariens ist als solche Einwirkung nicht anzusehen, denn der nun nicht mehr irdischen Gesetzen unterworfene Leib wurde durch die Einwickelung ebensowenig behindert wie durch Fels und Türe.
Die Apostel machen einander auch auf einen unirdischen Wohlgeruch aufmerksam, der sich im Grabe befindet. Therese gibt das Empfinden dieses Wohlgeruches während der Vision durch entzücktes, kräftiges Einziehen der Luft mit sich leicht blähenden Nasenflügeln kund. Man merkt auch ihren Handbewegungen, ihrem immer wieder Hinaufweisen und ihren Mienen an, dass sie den Aposteln zeigen möchte, was geschehen ist.
Diese verlassen nach längerer Zeit und eifrigem Reden erfreut das Grab, offenbar überzeugt, dass den Umstände nach (versiegeltes Grab, unversehrte Tuchwickelung, Wohlgeruch) der Leib Mariens in den Himmel aufgenommen worden sein müsse, wenngleich sie dies selbst nicht gesehen haben.

Aus den Gebeten der Kirche
zu den Festtagen Mariä Himmelfahrt, 14. und 15. August

Gebenedeit und hochverehrt bist du, Jungfrau Maria; in unversehrter Jungfräulichkeit bist du des Heilandes Mutter geworden. Jungfrau, Gottesgebärerin! Er, den die ganze Welt nicht fasst, Er schloss bei Seiner Menschwerdung Sich ein in deinen Schoß.
Selig bist du, Jungfrau Maria, die du den Schöpfer des Weltalls getragen. Du gebarst Ihn, der dich schuf und bleibest Jungfrau auf ewig.
Selig der Schoß der Jungfrau Maria, der getragen den Sohn des ewigen Vaters.
Alleluja, alleluja. Aufgenommen ward Maria in den Himmel; drob freuet sich der Engel Heer. Alleluja. Aufgenommen ward Maria in den Himmel, drob freuen sich die Engel, in Lobgesängen preisen sie den Herren, alleluja.

Magnifikat
(Gebet Mariens bei Elisabeth)

"Hochpreiset meine Seele den Herrn. Und mein Geist frohlockt in Gott, meinem Heiland. / Denn Er hat herabgeschaut auf die Niedrigkeit Seiner Magd; siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. / Denn Großes hat an mir getan der Mächtige; heilig ist Sein Name. / Und Sein Erbarmen waltet von Geschlecht zu Geschlecht, über allen, die Ihn fürchten.

Lb. Mutter hilf, daß wir treu Gottes hlgst. Willen erfüllen! - In hl. Gebete vereint! - Theres Neumann

Mit kirchlicher Druckgenehmigung. München, den 29.9.1950. G.V. Nr. 8906, Buchwieser, Generalvikar.

Abbildung Quelle siehe: http://www.brigidmarlin.com/Pages/Mysteries.html

Sonntag, 22. März 2009

Maria, die Mutter von der Immerwährenden Hilfe - Ein Hoffnungsstern auf dem Meere dieses Lebens

Stern im Lebensmeere!

Madre del Perpetuo SoccorsoJedes Menschenkind hienieden gleicht einem Schifflein auf dem sturmbewegten Meere. Wenn es geboren wird, fährt es hinaus auf die hohe See, wo gar viele in den Stürmen des Lebens untersinken und zu Grunde gehen. Nur wenn Maria auf deinem Fahrzeug ist, dich begleitet und beschützt, nur wenn du dein Auge nicht von Maria, dem Meeresstern, abwendest, nur dann wird dein schwaches Schifflein unbeschädigt ans Ziel kommen. Wie schön und wahr sagt der heilige Franz von Sales: "Die seligste Jungfrau ist immer der Polarstern und Sicherheitshafen aller Menschen gewesen, die auf dem Meere dieses armseligen Erdenlebens herumirrten. Alle jene, die zu diesem Sterne hinaufschauen, werden vor den Klippen und Abgründen der Sünde bewahrt bleiben." Aber auch jene, die in die Sünde gefallen sind, finden bei Maria eine liebreiche Mutter, die ihnen hilft, vom Falle aufzustehen, um alles wieder gut zu machen. Denn Maria ist die Ausspenderin der Barmherzigkeit Gottes, die Verwalterin der Gnadenschätze.
Gott hat einen großen Teil der Gnaden an die Verehrung ihrer Bilder geknüpft, das beweisen die Gnadenbilder in der ganzen Welt. Aber auch jedes Marienbild kann für seinen Besucher und Verehrer zu einer Gnadenquelle werden. Einer besonderen Verehrung erfreuen sich die Bilder der Unbefleckten Empfängnis, von der Schmerzhaften Mutte, der Mutter vom Guten Rat, und besonders Unserer Lieben Frau von der Immerwährenden Hilfe.
Wie wohlgefällig gerade diese Verehrung der allerseligsten Jungfrau ist, bezeugen die zahllosen Wunder und Gebetserhörungen, die infolge dieser Andacht stattfanden.
Seit der Auffindung des alten, ehrwürdigen Gnadenbildes ergießt sich ein wahrer Gnadenstrom aus den mütterlichen Händen Mariä über alle Völker und Nationen, die sie als Mutter von der Immerwährenden Hilfe anrufen.

Das Gnadenbild

Das Gnadenbild Unserer Lieben Frau von der Immerwährenden Hilfe befindet sich in der Kirche des heiligen Alfons zu Rom. Nach dem Urteile der Kunstkenner soll es aus dem 13. oder 14. Jahrhundert stammen. Herrlich und wunderlieblich auf Goldgrund gemalt, weist es auf einen frommen und ebenso geschickten Künstler hin. Bei seinem Anblick rief Papst Pius IX. aus: "O wie schön, wie schön ist es!"
Auf der Insel Kreta war es schon längst als wundertätig verehrt worden. Da, um die Mitte des 15. Jahrhunderts, da schon die Einfälle der Türken drohten, wurde es von einem Kaufmann entwendet, der es, wohl in gewinnsüchtiger Absicht, nach Rom brachte. Dort angelangt, erkrankte er aber schwer. Dem Tode nahe, übergab er das Bild seinem Freunde und Gastgeber, mit der dringenden Bitte, es in einer Kirche Roms zur öffentlichen Verehrung aufzustellen. Der Freund versprach es ihm, wurde aber von der eigenen Frau an der Ausführung verhindert.
Dreimal erschien ihm Maria im Traume und forderte ihn mit ernsten Worten auf, sein Versprechen zu erfüllen. Vergebens!
Nun erschien ihm Maria zum letztenmal und sprach: "Ich habe dich dreimal ermahnt und dreimal hast du meinen Befehlen widerstanden; damit ich also aus deinem Hause komme, wird es notwendig sein, dass du zuerst hinausgehst." Und so geschah es auch. Der Mann wurde krank und starb bald darauf. Aber auch diese Strafe vermochte den Starrsinn der eigennützigen Witwe nicht zu brechen. Da kam eines Tages ihr kleines, unschuldiges Töchterchen nach Hause mit der Botschaft: "Mutter, Mutter, ich habe soeben eine schöne Frau gesehen, die zu mir gesagt hat: 'Gehe zu deiner Mutter und melde ihr: Unsere Liebe Frau von der Immerwährenden Hilfe will in einer Kirche Roms öffentlich erehrt werden.'" -
So viele Zeichen konnte die Witwe nicht mehr widerstehen und überlegte, in welche Kirche sie das Bild bringen sollte: Da erschien Maria nochmals ihrem Töchterchen und sagte: "Zwischen meiner lieben Kirche Santa Maria Maggiore und der meines geliebten Sohnes Sankt Johannes im Lateran will ich aufgestellt und verehrt werden." Daselbst befand sich aber die Kirche des heiligen Matthäus, die damals im Besitze der Augustinermönche war. Am 27. März 1499 wurde das Gnadenbild in feierlicher Prozession in diese Kirche übertragen und dort auf dem Hochaltar aufgestellt.
Hier teilte nun Maria ihre Gaben und Gnaden reichlich aus und wirkte dreihundert Jahre lang viele Wunder, bis die Kirche im Jahre 1798 von der damaligen Revolutionsregierung wegen Straßenbau zerstört wurde. Das Bild wurde aber gerettet und fand in der stillen Hauskapelle eines anderen Augustinerklosters ein verschwiegenes Plätzchen. Doch lange Jahre wusste man in Rom nicht mehr, wohin sich die wundertätige Madonna geflüchtet hatte.
Mittlerweile war ganz in der Nähe der zerstörten Matthäuskirche ein neues Heiligtum erstanden: die Sankt Alfons-Kirche der Redemptoristen. Diesen übergab Papst Pius IX. dann das wiedergefundene Gnadenbild. Am 26. April 1866 wurde es in feierlicher Prozession dorthin übertragen. Am Abend des 3. Mai erschien der Heilige Vater unerwartet in der Redemptoristenkirche, um das Gnadenbild zu verehren. Wie viele Tausende von Rompilgern sind seither seinem Beispiel gefolgt!
Alsbald zeigte sich Maria als die liebreiche Mutter und Gnadenspenderin. Es geschahen Wunder auf Wunder. Da beschloss das Vatikanische Kapitel, das Bild mit einer goldenen Krone zu schmücken. Dies geschah am 23. Juni 1867.

Wir wallen zur Mutter der Gnade!

"Machet sie bekannt!" hatte Pius IX. gesagt, als er den Redemptoristen das Bild von der Immerwährenden Hilfe übergab. Das haben sie seither nach Kräften getan. Maria selbst hat sie hierin durch die zahllosen Wunder und Gebetserhörungen unterstützt. In Tausenden von Kirchen finden sich Abbildungen des Gnadenbildes, die sich in vielen Fällen ebenfalls als wundertätige erwiesen haben. Millionen kleiner Andachtsbildchen werden ständig über die ganze Welt verteilt. Tausende von frommen Verehrern suchen und finden täglich Trost und Hilfe bei der Mutter von der Immerwährenden Hilfe.
Die "Erzbruderschaft" U. L. Frau von der Immerwährenden Hilfe hat sich schon längst über alle Weltteile verbreitet und ist von den Päpsten mit vielen Ablässen bereichert worden. Es genügt, seinen Namen eintragen zu lassen. Die "Gebetswache" als Neubelebung derselben ist das organisierte Bittgebet einer ganzen Pfarrei zu Maria von der Immerwährenden Hilfe. Sie hat sich als Segensquelle für Seelsorger und Gläubige erwiesen.

Maria hilft immer!

Von allen Titeln, unter denen die Gläubigen Maria anrufen, ist ohne Zweifel "Mutter von der Immerwährenden Hilfe" der schönste und trostreichste. Maria hat diesen Titel selbst gewählt, damit wir in allen Bedrängnissen zu ihr unsere Zuflucht nehmen. Er zeigt uns die unbegrenzte Macht und Barmherzigkeit, von der ihr zärtliches Herz überströmt, so dass es weder eine Zeit, einen Ort, noch eine Not gibt, in der diese gute Mutter uns nicht zu Hilfe kommt, wenn wir sie mit Vertrauen anrufen. Darum hat auch diese Andacht so schnelle Verbreitung gefunden.
In der Tat, wenn sie ein einziges Mal ihre Hilfe versagte, dann wäre sie nicht mehr immerwährend. Sie muss helfen, wenn wir sie darum bitten, obgleich wir wegen unserer Fehler und Sünden ihre Hilfe nicht verdienen. Je armseliger wir sind, desto schneller ist sie zur Hilfe bereit.
Du wirst vielleicht sagen: Ich habe Maria schon oft angerufen, z. B. bei jenem Leiden, in jener Lage, und sie hat mir doch nicht geholfen. Bedenke wohl, Maria, die immer geneigt ist, dein Gebet zu erhören, verpflichtet sich nicht, dir gerade das zu geben, um was du bittest, sondern vielmehr das, was dir notwendig und heilsam ist.
Gehen wir deshalb immer mit einem unerschütterlichen Vertrauen zu Maria, und auch wir werden ihre Hilfe erfahren.

Maria, die Zuflucht der Sünder

Wie Maria einer Heiligen geoffenbart hat, macht es ihr Freude, Zuflucht der Sünder genannt zu werden. "Wenn sich ein Sünder an mich wendet", sagte sie, "sehe ich weder auf die Zahl, noch auf die Größe seiner Sünden, sondern nur auf das Gebet, das aus seinem Herzen zu mir emporsteigt." Sie hat die Macht, eine dem ewigen Tode anheimgefallene Seele wieder zum Stande der Gnade zu erwecken. Bei allen Bekehrungen reicht Maria dem Sünder die Hand.
In einer Stadt Belgiens verfiel im November 1871 ein Freimaurer in eine schwere Krankheit. Die Ärzte gaben die Hoffnung auf, und ebenso musste man an der Rettung seiner Seele zweifeln; denn so oft der Kranke an eine christliche Vorbereitung zum Tode ermahnt wurde, befahl er, das ihm lästige Gespräch abzubrechen. Als dies einige fromme Frauen erfuhren, beschlossen sie, zu Maria ihre Zuflucht zu nehmen, die immerwährend allen zu Hilfe kommt. Sie ließen ein Bild Mariä von der Immerwährenden Hilfe unter das Kissen des Kranken legen und begannen zugleich eine neuntägige Andacht zu ihr. Da nach Ablauf der neun Tage der Kranke immer noch in seiner Verstocktheit verharrte, fingen sie eine zweite Novene an. Aber auch die zweite vermochte nicht, das Herz des verstockten Sünders zu erweichen; denn es ist schwer, in den Banden einer geheimen Gesellschaft verstrickt, die todbringenden Fesseln zu sprengen. Gegen Ende der dritten Novene verlangte der Kranke selbst einen Priester und beichtete mit großer Reue seine Sünden. Und nachdem er alles geleistet hatte, was die heilige katholische Kirche von den Mitgliedern der Freimaurerei verlangt, verschied er auf christliche Weise aus diesem Leben.
So lohnte in diesem Falle Unsere Liebe Frau von der Immerwährenden Hilfe das beharrliche, vertrauensvolle Gebet.

Aus: Marianus, Maria die Mutter von der Immerwährenden Hilfe - Ein Hoffnungsstern auf dem Meere dieses Lebens. - Kanisius-Verlag, 13. Auflage, Nihil obstat: Julius Desfossez, librorum censor. Imprimatur: Friburgi Helv., die 2 januarii 1950 L. Waeber, vic. gen.

Samstag, 1. März 2008

Das Gnadenbild Unserer Lieben Frau von der Immerwährenden Hilfe

ULF von der Immerwährenden HilfeDas Urbild (der zahllosen Bilder ULF von der immerwährenden Hilfe, wie sie auf der weiten Welt verbreitet sind) thront zu Rom auf dem Hochaltar der kleinen Redemptoristenkirche Sant' Alfonso auf dem Esquilin, im Osten der Ewigen Stadt.
Das Bild der Mutter von der immerwährenden Hilfe hat eine Größe von 41,5 x 53 cm und ist auf Nussbaumholz gemalt. (Das Bild ist eine Temperamalerei, nach einem Verfahren, wobei der Farbstoff mit Eiweiß, Eigelb, Leim und noch anderen Stoffen vermengt wird.) Aus dem goldenen Hintergrunde tritt vor allem die Gestalt der jungfräulichen Gottesmutter hervor, und als "Mutter Gottes" ist sie ausdrücklich in großen Buchstaben durch zwei abgekürzte griechische Worte zu ihren Häupten gekennzeichnet. Auf unzähligen Erzeugnissen der byzantinischen Kunst (die ehedem in Byzanz oder Konstantinopel ihre Heimat hatte), ist die seligste Jungfrau in derselben oder fast derselben Weise dargestellt. Ihr schönes, edles Antlitz ist oval. Sie hat einen kleinen Mund, eine feine, lange Nase, ungemein seelenvolle Augen und sehr schlanke Finger. Sie trägt ein Kleid von roter Farbe, das am Halse und vorn an den Ärmeln mit einfachen Verzierungen versehen ist. Ihre Haare sind durch ein feines Haarnetz von bläulich grüner Farbe zusammengehalten. Vom Haupte herab umwallt ihre jungfräuliche Gestalt ein großer, dunkelblauer Mantel, der in seiner oberen Hälfte doppelt gefaltet ist, so dass sich eine Art Pelerine bildet, und davon hängen auf dem rechten Oberarm goldene Fransen herab. Viele Goldlinien dienen dazu, die Falten des Mantels anzudeuten... In der Mitte des Hauptes leuchtet auf dem Mantel Mariens ein achtstrahliger Stern und seitwärts davon ein kreuzförmiges Gebilde. Ein kunstvoller Heiligenschein in erhabener Arbeit umgibt Mariens Haupt.
Auf ihrem linken Arm trägt die Gottesmutter das Jesuskind. Es ist völlig bekleidet, nicht bloß mit einem grünen Leibrock, sondern auch mit einem gelbbraunen Mantel, den ein hellroter Tuchstreifen umgürtet, der nur einen Teil des Oberkörpers frei läßt. Auch bei den Kleidern des Jesuskindes sind Goldlinien reichlich verwendet. Ein großer Heiligenschein mit eingezeichnetem Kreuze umgibt das Haupt des Kindes, bei dem die ungewöhnlich hohe Stirn und der weisheitsvolle Blick auffallen, und nebenan stehen wiederum die abgekürzten Worte "Jesus Christus". Die eigenartige Haltung des Kindes und die vom linken Fuße fallende Sandale werden weiter unten ihre Erklärung finden.
Endlich erblicken wir auf unserem Bilde zwei Engelsgestalten in Halbfigur, die die Werkzeuge des Leidens Christi tragen. Die griechischen Buchstaben über ihren Häuptern kennzeichnen den Engel links vom Beschauer als den Erzengel Michael, den Führer der himmlischen Heerscharen, der nach vielen Schrifterklärern dem Todesangst leidenden Erlöser im Ölgarten Stärkung brachte. Er trägt in verhüllten Händen - zum Zeichen der Ehrfurcht - das Essiggefäß, das bei der Kreuzigung Christi erwähnt wird (Joh. 19, 29), daraus ragen hervor der Ysopstengel mit dem Schwamm voll Essig, der dem dürstenden Erlöser am Kreuz gereicht wurde, sowie die Lanze, die nach dem Verscheiden Christi seine heilige Seite öffnete. Rechts dagegen erscheint der Erzengel Gabriel und er trägt in verhüllten Händen das Kreuz mit den vier Nägeln. Es ist ein "byzantinisches" Kreuz, scheinbar mit drei Querbalken; über dem eigentlichen Querbalken in der Mitte ist nämlich noch die Kreuzesinschrift angebracht und darunter das "suppedaneum", ein Querholz zur Stütze der Füße. Der jugendliche Jesus faßt die Hand der Mutter mit beiden Händen, ängstlich und vielleicht auch ein wenig verwirrt beim Anblick des Engels mit dem Kreuz. In der ängstlichen Suche nach Zuflucht scheint sich die Sandale gelöst zu haben. Die Aussage des Bildes könnte umschrieben werden: Die Mutter für ihn und die Mutter für uns. Er ein Mensch in Ängsten wie wir. Das Programm seines Lebens ist die Erfüllung des Vaterwillens - und das durch alle Tiefen menschlichen Lebens. Sie die Mutter der Güte mit dem Blick zu uns und für uns, die Mutter von der Immerwährenden Hilfe, die Mutter der dauernden Zuwendung, die Mutter, die immer ein offenes Ohr für uns hat, die Mutter mit der starken Hand, an die wir uns klammern können. Als Menschen in Ängsten halten wir Ausschau nach Hilfe, die bleibt; nach Güte, die sich uns zuwendet; nach Geborgenheit, der es nicht zu viel ist, zuzuhören; nach Händen, die sich uns nicht entziehen.

ULF von der Immerwährenden Hilfe

Maria Immerhilf!


Was meine Seele hütet,
Ich sag's nur Gott und Dir!
Denn Du bist meine Liebe,
Du liebst mich für und für!

Du sprichst, wenn alle schweigen,
Ein mächtig flehend Wort;
Du hilfst, wenn alle klagen,
Und nimmst den Kummer fort!

Du weißt um alle Sorgen,
Die je mein Leben trägt;
Du weißt um jedes Hoffen,
Das je mein Herz bewegt!

Und wie sich Gott Dir neiget,
Hörst gern Du mein Gebet,
Dass leis mir durch die Seele
Ein stilles Wunder geht!

Mein Schifflein auf den Wellen
Treibt manch gefährlich Spiel
Mit wetterschweren Winden,
Die's halten fern vom Ziel.

O hör' mein treues Flehen,
Das hallt im hohen Schilf:
Dass ich die Heimat finde,
Maria, immer hilf!

A. Ulrich, C. SS. R.

Samstag, 10. November 2007

Die Wunderhostie von Seefeld / Innsbruck

Seefeld_Tirol_1-1 Buchstäbliche Urkunde über die Entstehung der heil. Hostie, verfasst auf Befehl Sr. Majestät Kaiser Karl VI.

Kundt und zuwüssen seye Jedermann.

Als in dem Jahr nach Christi Geburth aintaußent dreyhundert vier und achtzig ain Mächtiger Edelmann Nahmens Oßwald Milser, der zu selber Zeit den gleich außer Seefeld gelegenen Burgfriden und Schlößl Schloßberg besitzete, zur österl. Zeit den fünff und zwanzigsten Marty am heil. Grien Donnerstag das Allerheiligste Sacrament empfangen wollte, und auß all zu großen Hochmueth von dem Priester zu Seefeld nicht wie andere Layen, und arme Leüth mit einer kleinen, sondern mit einer großen Heil. Hostia gespeiset zu werden begehrte, der Priester auch ihme dieses begehren wegen seinen großen ansehen auß Forcht und Menschlicher Schwachheit, nit abzuschlagen gethrauete, mithin demselben die große Hostiam darreichte.

Das besagter Edlmann, so bald als ihme der Priester das heil. Sacrament auf die Zungen legte, vor dem Altar augenblicklich bis an die Knie in die Erdten gesunken, und da er sich an den Altarstein halten wollte, auch dieser der Hand wundersam gewichen seye. Wie dann die Zaichen noch allda zu sehen.

Wie dann der Priester die H. H. Hostiam dem Edlmann gleich wiederumen aus dem Mund nahme, wäre selbe von des Mundts Nattürlichen Feüchtigkeit etwas zusammengezohen, und mit Bluet- und Blauen Biß-Zeichen unterloffen, und wirdet dieselbe bis heunt zu Tag in diese Gesalt allhier in einer Monstranzen aufbehalten. Der Milser fielle in große Reühe, thete Bueß, und Starb nach zwey Jahre zu Stambs in aller Gottes-forcht. Sein Weib aber wollte obig ihro auß der Kürchen gleich beigebrachte Begebenheit nit glauben, es were dann, wie sye sprache, daß der ihro Zugegen gewesste Holzstock frische Rosen brächte, welches auch zu so ungewöhnlicher Jahres Zeit augenblücklich geschehen. Worüber Sye Rasend worden, und in die Wildnussen wie Wildes Thyer verloffen ist.

 

Von einem Zisterzienser-Ordenspriester ("Gebet- und Erbauungsbuch zunächst für die Wallfahrer zum heiligen Blute in der St. Oswalds-Kirche in Seefeld", Innsbruck 1886)

(Veröffentlicht in: «DAS ZEICHEN MARIENS», 24. Jahrgang, Nr. 9, Januar 1991, Seite 7634-3735)

Samstag, 10. März 2007

Eine höchst interessante, bestverbürgte Totenerweckung durch den hl. Kirchenlehrer und Bischof Franz von Sales

Pfarrer Wilhelm Schamoni hat aus den Heiligsprechungsakten 20 Auferweckungen vom Tode dokumentiert. Hier soll ein besonders eindeutiger Fall, nämlich die Auferweckung des Hieronymus Genin auf die Fürbitte des hl. Franz von Sales durch die Wiedergabe wesentlicher Teile von Aussagen aus dem Heiligsprechungsprozeß präsentiert werden, die Pfr. W. Schamoni übersetzt hat.
Die Aussage des Bruders des Verunglückten lautet wie folgt:

"Aussage des Franz Genin, Steuereinnehmer und Amtsschreibers von Ste Hélène-du-Lac, in der Diözese St. Jean de Maurien Savoyen:

Saint François de Sales, Évêque et Docteur de la Sainte ÉgliseIm Jahre 1623 wohnten mein Bruder Hieronymus und ich bei Herrn Claudius Puthod, Pfarrer von Les Ollières im Gebiet von Annecy, Diözese Genf. Unsere Eltern hatten uns dort in Pension gegeben, damit wir unter Anleitung des Herrn Claudius Crozet, des Vikars von Herrn Puthod, Latein lernen sollten.
Am letzten Tage des Monats April im Jahre 1623 war mein Bruder schwer von dem Herrn Claudius Crozet gezüchtigt worden, weil er seine Lektionen nicht gut gelernt hatte. Darauf faßten mein Bruder und ich den Entschluß, zu unsern Eltern zurückzukehren. Am gleichen Tage, ohne irgend jemand unser Vorhaben mitzuteilen, gingen wir am frühen Morgen los und kamen an den Fluß Fier, der von Les Ollières ungefähr drei kleine Meilen entfernt ist. Wir fanden den Fluß außerordentlich angeschwollen von dem Schnee, der einige Tage vorher reichlich gefallen war. Und da wir ihn auf drei Planken überschreiten mußten, die in keiner Weise aneinander befestigt waren, zögerten wir darüberzugehen, aus Furcht für unser Leben. Aber die Angst, wieder in die Hände des Herrn Crozet zu fallen, ließ uns diese Furcht überwinden. Jedoch, bevor wir es wagten, fühlten wir uns angetrieben, uns der Fürbitte des ehrwürdigen Dieners Gottes Franz von Sales zu empfehlen, und nachdem wir uns hingekniet hatten, machten wir das Gelübde, wir würden, wenn wir unter seinem Schutze über den Fluß kämen, sein Grab besuchen und die Messe in der Kirche der Heimsuchung (de la Visitation) hören, in der sein Leib ruht. Nach diesem Gelübde wollte mein Bruder, welcher der ältere war, als erster hinübergehen, und er sagte mir, ich solle es unter keinen Umständen wagen hinüberzugehen, bis er nicht auf dem anderen Ufer sei. Er befürchtete, durch die Bewegung der schwankenden Bretter könnten der eine oder andere oder sogar wir beide zusammen in den Fluß fallen. Ich blieb also am Ufer, während er fast bis zur Mitte des Flusses gelangte, wo er schwindlig wurde und daneben trat und mit dem Gesicht auf die Bretter fiel und mit lauter Stimme rief: "Seliger Franz von Sales, rette mich!" Ich hörte dies sehr genau. Ich eilte zwei oder drei Schritte auf die Bretter, um zu versuchen, meinem Bruder zu Hilfe zu kommen, so weit mein Alter und meine Kräfte es mir erlaubten. Aber vergebens! Denn im gleichen Augenblick fiel mein Bruder in den Fluß. Ich selbst war so erschrocken über seinen Fall, daß ich selbst auch auf die Bretter fiel, und ich war ebenfalls in Gefahr, das Leben zu verlieren. Da ich aber ziemlich nahe am Ufer war, rutschte ich, nachdem ich mehrere Male den Diener Gottes angerufen hatte, indem ich schrie: "Seliger Franz von Sales rette mich", auf dem Bauche bis zum Ufer, von dem ich hergekommen war, und nachdem ich mich aufgerichtet hatte, betrachtete ich den Lauf des Flusses, ob ich meinen armen Bruder sähe. Ich lief sogar das Ufer entlang ungefähr zweihundert Schritte, weinte und rief: "Mein Bruder, mein Bruder!" Aber ich konnte nichts anderes sehen als seinen Hut, der auf dem Wasser schwamm, und der war schon sehr weit von mir weg.
Da ich sah, daß Weinen nichts nützte, kehrte ich nach Les Ollières zurück, um Herrn Puthod unser Unglück zu melden. Wie ich nun durch das Dorf Ornay ging, fragten mich einige Leute, die mich weinen sahen, nach dem Grunde meiner Tränen. Als ich es ihnen erzählt hatte, eilten sie an das Ufer des Flusses, während ich nach Les Ollières ging. Da ich weder Herrn Puthod noch Herrn Crozet fand, mußte ich bis zum Nachbardorf weitergehen, um Hilfe zu holen und zu bestellen, man möchte den genannten Herren Puthod und Crozet Bescheid von dem Unglück geben, das meinem Bruder zugestoßen sei, wenn sie wieder zurückkämen. Darauf kehrte ich wieder an den Fluß zurück. Ich fand dort mehr als dreißig Personen. Mehrere sagten mir, sie suchten schon über drei Stunden, ohne meinen Bruder entdecken zu können. Einige Zeit später sah ich einen gewissen Alexander Raphin kommen, begleitet von seinem Sohn und mehreren anderen aus dem Dorfe Ornay. Man sagte mir, er sei der beste Taucher in der ganzen Gegend. Er pflegte zu tauchen und die Leichen der Ertrunkenen aus dem Fluß zu holen. Er habe schon eine ganze Anzahl solcher ans Land gebracht. Ich bat ihn unter heißen Tränen, meinen armen Bruder zu suchen, und ich versprach ihm, der Herr Pfarrer von Les Ollières, bei dem ich in Pension sei, werde es ihm reichlich wiedergutmachen.
Mehrere von den Anwesenden baten ihn ebenfalls darum. Er versprach, es zu tun, und fragte mich, an welcher Stelle mein Bruder hineingefallen sei. Nachdem er sie sich genau angesehen und die Tiefe gemessen hatte, zog er sich aus und sprang ins Wasser, wo er eine gute Viertelstunde, indem er immer wieder an die Oberfläche kam, um Luft zu schöpfen, tauchte. Da er nichts fand, stieg er aus dem Wasser, wobei er sagte, daß er nicht länger darin habe bleiben können. Nachdem er sich wieder angezogen und ein wenig Wein genommen hatte, wollte er gehen. Aber ich weinte so sehr, und diejenigen, die dabeistanden, baten ihn so dringend, daß er versprach, von neuem zu tauchen und nicht eher zu gehen, als bis er die Leiche meines Bruders gefunden habe. So sprang er, nachdem er sich lange ausgeruht hatte, an derselben Stelle wiederum ins Wasser und suchte nach allen Seiten. Dann ging er ein großes Stück weiter hinunter, ohne Erfolg, und gezwungen, aus dem Wasser zu steigen und seine Kleider wieder anzuziehen, sagte er von neuem, das Wasser sei zu kalt, als daß er noch länger suchen könne. Dann gingen alle, die herbeigekommen waren, mit dem Herrn Raphin den Fluß hinunter und hielten Ausschau, wo etwa der Körper festgehalten sein könnte. Schließlich, nach einer Stunde Suchens ungefähr, stießen sie in dem Dreh einer Krümmung des Flusses auf einen außergewöhnlich tiefen Kolk. Und der Herr Raphin und die anderen meinten, daß er vielleicht in diesem Wasserloch festliege. Darum entkleidete er sich wieder, und, nachdem er sehr lange getaucht hatte, kam er wieder hoch und rief: "Ich habe ihn gefunden!" Dann stieg er aus dem Wasser und sagte, er könne nicht mehr, er müsse sich erst erholen, dann werde er nochmals tauchen und ihn bergen. Das tat er, er brachte ihn an einem Arme hoch unter sehr großer Anstrengung. Der Sohn des genannten Raphin stürzte sich ins Wasser, um seinem Vater zu helfen und stieß den Körper vor sich her. Sobald er aus dem Wasser war, legte man ihn auf die Erde. Ich sah ihn so aufgedunsen und häßlich, daß er nicht mehr zu erkennen war. Die Anwesenden alle, weil sie ihn bewegungslos, ganz zerstoßen und blau sahen, sagten, er sei tot. Dann nahm ihn sich der Herr Raphin auf die Schulter und trug ihn in das Dorf Ornay und legte ihn in einer Scheune auf die Erde. Da aber der Herr Pfarrer von Ville gekommen war und ihn lange betastet hatte und keinerlei Bewegung feststellte, sagte er laut: "Er ist tot, daran kann man nicht zweifeln. Trotzdem, weil er bei Herrn Pfarrrer von Les Ollières wohnt, kann man ihn nicht beerdigen, bevor dieser benachrichtigt ist und über das Begräbnis verfügt hat."
Infolgedessen wartete man bis zum folgenden Tag. Inzwischen ließ Herr Pfarrer schon auf dem Kirchhof das Grab ausheben an der von ihm bezeichneten Stelle. Er fragte mich, ob es lange her sei, daß mein Bruder Hieronymus gebeichtet habe. Ich antwortete ihm, ich hätte gesehen, wie er am letzten Karsamstag bei Herrn Pfarrer von Les Ollières beichete. Mittlerweile war dieser Pfarrer selbst angekommen, und als er diesen armen Leichnam sah, kniete er sich hin und betete sehr lange. Als er sich dann erhob, ging er auf mich zu und sagte mir diese Worte: "Wenn du und dein Bruder gehorsamer gewesen wäret, würden du und ich weniger Leid haben." Er sagte mir, ich solle mit ihm zu Herrn Pfarrer von Ville gehen, und bat diesen Herrn Pfarrer um den Trost, am nächsten Morgen das Beerdigungsamt halten zu dürfen. Dieser war einverstanden und lud uns zum Abendessen ein. Während der Mahlzeit ließen sie sich von mir alle Einzelheiten des Unglücks erzählen. Ich erwähnte ihnen in besonderer Weise das Gelübde, das mein Bruder und ich dem Diener Gottes gemacht hatten. Darauf versicherte Herr Puthod, er habe sich, während er bei der Leiche betete, angetrieben gefühlt, Gott zu bitten, auf die Verdienste seines Dieners Franz von Sales diesem jungen Menschen, der seiner Obhut anvertaut worden war, das Leben wiederzugeben, und daß, wenn die göttliche Güte sein Gebet erhören würde, er gelobt habe, an neun Tagen nacheinander in der Kirche, in welcher der Leib des Dieners Gottes ruht, die hl. Messe zu lesen. Gegen Ende des Abendessens kam ein gewisser Stephan Gonet aus Annecy und wollte Herrn Pfarrer von Ville fragen, ob er etwas nach Annecy mitzunehmen habe. Herr Puthod, der Pfarrer von Les Ollières, kannte den Herrn Gonet und erzählte ihm die Bedrängnis, in der er sich befand, und von den Gelübden, die mein Bruder und ich und später er dem Diener Gottes gemacht hätten. Dann bat er ihn, er möge, wenn er nach Annecy gekommen sei, noch bevor er in sein eigenes Haus trete, so freundlich sein und die genannten Gelübde am Grabe des Dieners Gottes darbringen. Der Herr Gonet versprach es, er fügte sogar hinzu, er werde eine Messe in dieser Meinung lesen lassen.
Nach dem Abendtisch gingen die beiden Pfarrer in die Scheune, in welcher der Leichnam lag. Sie ließen Weihwasser bringen und beteten die Totenvigil. Ich ging mit ihnen und wollte bleiben und die ganze Nacht bei meinem armen Bruder wachen. Aber der Herr Puthod wollte es mir nicht erlauben. Er brachte mich ins Haus des Pfarrers von Ville zurück, wo ich schlief und erst ziemlich spät aufstand wegen meiner großen Müdigkeit. Sobald ich aufgestanden war, kehrte ich mit Herrn Puthod in die Scheune zurück. Ich fand die Leiche meines Bruders noch unförmiger und häßlicher als am Vorabend. Herr Puthod betete sehr lange und ging dann. Eine Stunde später kam er zurück mit dem Herrn Pfarrer von Ville. Sie hatten Rochett und Stola angelegt und kamen mit Kreuz und Weihwasser, um die Leiche zur Beerdigung abzuholen. Jedoch in dem Augenblick, wie man sie in einen Sarg legen wollte (nach der Gewohnheit jener Gegend, wo man die Leichen von Ertrunkenen erst dann in den Sarg legt, wenn man sie zur Beerdigung heraustragen will), erhob mein Bruder einen Arm. Ich hörte ihn klagen und diese Worte sprechen: "O seliger Franz von Sales!" Über diese Worte waren alle Anwesenden derart entsetzt, daß die einen davonliefen, andere in Ohnmacht fielen und die mutigsten riefen: "Ein Wunder, ein Wunder!"
Die beiden Herren Pfarrer faßten meinen Bruder an der Hand und hoben ihn hoch. Er war nun nicht mehr häßlich und unförmig, wie einen Augenblick vorher, sondern hatte sein gewöhnliches Gesicht. Als Herr Puthod ihn fragte, ob er ihn kenne, gab er diese Worte zur Antwort: "Ich kenne den seligen Franz von Sales, er ist mir erschienen und hat mir seinen Segen gegeben."
Man ließ Wein bringen. Er wusch sich Sand aus dem Mund, den Augen, Ohren, der Nase. Man gab ihm ein Hemd. Man konnte feststellen, daß er an mehreren Stellen zerstoßen war. Mit geliehenem Zeug kleidete man ihn an. Seine eigene Kleidung war ganz naß und voller Schmutz. Danach erzählte er, wie ihm im Augenblick, in dem er erweckt wurde, der Diener Gottes in bischöflichem Gewand erschien, so wie er auf unsern Bildern gemalt ist, und habe ihm seinen Segen gegeben. Er habe ein strahlendes Antlitz gehabt und ihn sanft und gütig angeschaut. Darauf zogen wir uns mit dem Herrn Puthod nach Les Ollières zurück. Als wir angekommen waren, strömte alles zur Kirche, wo Herr Puthod das Tedeum antstimmte.
Vom Abend dieses Tages an aß und trank mein Bruder wie gewöhnlich. Wahr ist, daß er in der Nacht über heftige Schmerzen an den Schenkeln, den Armen und Füßen klagte, und der Herr Puthod und ich sahen die Verletzungen an seinen Gliedern. Die Schmerzen dauerten bis zu dem Tage, an dem Herr Puthod uns nach Annecy brachte, um unsere Gelübde am Grabe des Dieners Gottes einzulösen (4. Mai). Als wir in die Kirche der Heimsuchung (de la Visitation) gekommen waren, ließ Herr Puthod meinen Bruder sich auf das Grab des Dieners Gottes legen. Nachdem er ungefähr eine halbe Viertelstunde darauf gelegen hatte, erhob er sich mit ungewöhnlichem Schwung, indem er sagte, die heftigen Schmerzen, an denen er vorher gelitten hatte, seien mit einem Schlage weg. Herr Puthod ließ ihn eines der Hosenbeine hochziehen, und wir fanden, daß alle seine Verletzungen geheilt waren. Als wir in den Gasthof zurückgekehrt waren und Herr Puthod ihn sich entkleiden ließ, stellten wir fest, daß ihm keine Spur von all seinen blutunterlaufenen Stellen geblieben war. Sein Körper war genauso gesund und unverletzt wie vor dem Sturz. Wir blieben in dieser Stadt die ganzen neun Tage. Wir hörten dort die neun Messen, die Herr Puthod in der Kirche feierte. Nach dieser Novene kehrten wir sehr getröstet nach Les Ollières zurück. Die Erinnerung an das Wunder ist meinem Geist so tief eingeprägt geblieben, daß kein Tag vergeht, an dem ich Gott nicht dafür danke und mich der Fürbitte seines Dieners empfehle."
Von der Aussage des Pfarrers Puthod sollen nur einige Passagen zitiert werden.
"Herr Kanonikus Puthod, zur Zeit des Wunders Pfarrer von Les Ollières, erklärte in seiner an Einzelheiten reichen Aussage:
Am 29. April kehrte ich aus dieser Stadt Annecy in mein Pfarrhaus von Les Ollières zurück. Dort erzählte ich, nachdem ich die hl. Messe gefeiert hatte, Herrn Claudius Crozet, meinem Vikar, und den Brüdern Hieronymus und Franz Genin die Auferweckung von Fräulein de la Presse. Die beiden jungen Schüler waren ungefähr 13 - 14 Jahre alt, gebürtig aus der Pfarrei Sainte-Hélène-du-Lac in der Diözese Maurienne. Ihre Eltern hatten sie bei mir in Pension gegeben, damit sie unter Anleitung des Herrn Crozet die lateinische Sprache erlernen sollten. Die Auferweckung dieses jungen Mädchens auf die Fürbitte des Dieners Gottes Franz von Sales gab mir Gelegenheit, die beiden Schüler zu ermahnen, daß sie ihn verehren sollten ...
Ich wurde zur gleichen Zeit innerlich stark angeregt, Gott und seinem Diener Franz von Sales zu versprechen, daß ich, wenn es der göttlichen Güte gefallen würde, zur Verherrlichung dieses seines wahren Dieners diesem Leichnam das Leben wiederzugeben, neun Tage in dieser Stadt Annecy bleiben würde, um an ihnen neun Messen in der Heimsuchungskirche zu feiern, wo sein Leib ruht. Ich machte dieses Gelübde in der Scheune, nachdem ich ein De profundis (= Ps 129) für die Seelenruhe des Jünglings gebetet hatte...
Ich kehrte in die Scheune zurück und ging sogleich auf den Körper zu, dessen Gesicht schon von einem der Beistehenden freigemacht war. Ich war erstaunt aufs äußerste, diesen jungen Mann voller Leben zu sehen. Sein Gesicht war so wie vor seinem Tode, die Augen offen, die Stimme ziemlich fest, besonders als ich ihn fragte, ob er mich nicht kenne. Er antwortete mir: "Ich kenne den seligen Franz von Sales, durch den ich auferweckt bin; und ich kenne auch Sie, Herr Pfarrer." ...

Reliquienschrein des hl. Franz von SalesReliquienschrein des hl. Franz von Sales in der Basilika der Visitation von Annecy. (Prokura der Missionäre des hl. Franz von Sales, 6, chemin du Bac, Genf)

Am 4. Mai des genannten Jahres 1623 machten die Brüder Hieronymus und Franz Genin und ich uns gegen fünf Uhr morgens auf den Weg, um uns zur Erfüllung unserer Gelübde in diese Stadt Annecy zu begeben, zum Grabe des Dieners Gottes Franz von Sales. Wir kamen dort gegen neun Uhr morgens an. Ich feierte die hl. Messe, die erste der neun, die ich versprochen hatte, dort zu feiern. Ich reichte in ihr Hieronymus und Franz Genin die hl. Kommunion, und sofort, nachdem ich in der Sakristei meine Danksagung beendet hatte, ließ ich Hieronymus sich mit seiner ganzen Länge auf das Grab des Dieners Gottes hinlegen. Er blieb so ungefähr eine halbe Viertelstunde, währenddessen ich mit seinem Bruder Franz auf den Knien blieb. Am Ende dieser Zeit erhob er sich mit einem ungewöhnlichen Schwung, indem er uns genau diese Worte sagte: "Durch die Barmherzigkeit unseres Herrn sind meine Schmerzen plötzlich verschwunden." Aus diesem Grunde wollte ich seine Füße, seine Schenkel, seine Arme nachsehen, die ich an diesem selben Tage, bevor wir von Les Ollières fortgingen, noch ganz schwarz und blau gesehen hatte. Darum ließ ich ihn eines seiner Hosenbeine hochziehen, und ich sah, daß sein Fuß ohne jede schwarze und verletzte Stelle war. Ich dankte Gott für diese Gnade. Und als wir in den Gasthof zurückgekehrt waren, untersuchte ich nochmals seinen ganzen Körper, und ich fand ihn ebenso gesund wie vor dem Sturz in den Fluß.
Wir blieben in Annecy die ganzen neun Tage, an denen ich die gelobten neun Messen zelebrierte ..."

Zum Schluß zitiert Pfarrer Schamoni noch aus der Heiligsprechungsbulle des Papstes Alexander VII.:
"Es steht durch öffentliche Verhandlungen, die in Unserem und der hl. Ritenkongregation Auftrag vorgenommen und mit Sorgfalt durchgeführt sind, fest, daß Hieronymus Genin, der vom Wasser verschlungen war, gerade als sein schon riechender und in einem Leichentuch eingehüllter Leichnam herausgetragen werden sollte, wieder lebendig wurde, die Arme erhob, zu sprechen anfing und Franz von Sales pries, der ihm im selben Augenblick, da ihm das Leben zurückkehrte, erschien im bischöflichen Gewand und mit gütigem und verklärtem Antlitz.[Magnum Bullarium Laertii Cherubim, Luxemburgi 1727, VI, 224]"

Aus: "Überprüfte Wunder", von Harald Grochtmann, Verlag Hl. Pater Maximilian Kolbe, 1988, und "Wunder sind Tatsachen" ("Parallelen zum Neuen Testament"), von Wilhelm Schamoni, Joh. Naumann-Verlag, Christiana-Verlag, Veritas-Verlag. (Der vorstehende Artikel ist erstmals erschienen in «DAS ZEICHEN MARIENS», 24. Jahrgang, Nr. 1-5, Oktober A.D. 1990, Seiten 7525-7527)

Siehe auch die französische Version dieses Totenerweckungsberichtes!